Das Line-up ist deutlich angewachsen. Um die beiden Band-Gründer – Frontfrau Dimitra Kalavrezou und Multi-Instrumentalist Themis Ioannou, der inzwischen vor allem Gitarre und Keyboards übernimmt – hat sich eine feste Fünferbesetzung formiert. In dieser Konstellation entstand das dritte UNVERKALT-Album, zugleich der erste Longplayer für Season Of Mist. Das 50-minütige „Héréditaire“ fällt von Beginn an durch seine noch dichtere, kontrastreichere Ausrichtung auf. Die deutsch-griechische Band, die heute von Berlin aus operiert, arbeitet im Songwriting dramaturgisch vielschichtiger, überraschender und mit nachhaltiger Wirkung. Wenn Band und Label zur Orientierung Namen wie Julie Christmas, Cult Of Luna, Myrkur oder Sylvaine nennen, ist das nachvollziehbar. Doch UNVERKALT haben längst ihren eigenen Klangkosmos geschaffen, der sich als unverwechselbar und eigenständig behauptet. Auf „Héréditaire“ tritt das noch deutlicher hervor als auf den beiden Vorgängern. Das Quintett verweigert sich naheliegenden, vorhersehbaren Entwicklungspfaden und agiert stattdessen konsequent vorwärtsgewandt und unberechenbar. Gleichzeitig bleiben die neun Songs trotz ihrer gesteigerten Härte zugänglich und emotional nahbar – nicht zuletzt dank Dimitras erneut beeindruckender Clean-Vocals. Im Kontrast dazu wirken die nun häufiger eingesetzten Screams vernichtend und kompromisslos finster. Die Mischung aus Avantgarde- und Post-Metal, durchzogen von einem blackened Anstrich, entfaltet eine enorme Intensität und verstörende Wucht. Beim Hören von „Héréditaire“ durchlebt man ein oft beschriebenes Wechselbad der Gefühle und wird regelrecht durcheinandergerüttelt. Genau darum geht es UNVERKALT: Mit ihrem dritten Album wollen sie den Schleier über unserer verfluchten menschlichen Existenz lüften und präsentieren sich entsprechend schonungslos. Bis hin zum Gastauftritt von Sakis Tolis (Rotting Christ) überzeugt dieses Werk auf ganzer Linie.
(Season Of Mist)
