JOYCE MANOR – I Used To Go To This Bar

An achter Stelle des Albums stellen die Kalifornier die Frage ,Well, Don’t It Seem Like You’ve Been Here Before?‘ Mit Blick auf das Schaffen von JOYCE MANOR ist das tatsächlich ein spannender Gedanke. Das Trio um Frontmann Barry Johnson wirkt, als sei es schon ewig Teil der Szene, und legt mit „I Used To Go To This Bar“ nun seinen siebten Longplayer vor. Das Album vermittelt ein Gefühl von Vertrautheit, ohne sich auf Routine auszuruhen. Vielmehr entsteht ein reizvoller Mix aus Bekanntem und Neuem. Die Grundausrichtung zwischen Indie-Rock und Pop-Punk ist gesetzt, wobei JOYCE MANOR traditionell stärker mit letzterem Genre assoziiert werden. Die straffe, kompakte Anlage des Materials, die feinen Melodien und die sofort zündenden Hooks zeigen eindrucksvoll, warum das so ist. Emotional aufgeladen geht es ohnehin zu, doch alle Stücke basieren auf einem Grundton von Optimismus und transportieren ein unbeschwertes Lebensgefühl. Das war schon immer eine der großen Stärken des Trios aus Long Beach. Zweifel und Nachdenklichkeit sind zwar angedeutet, erhalten aber deutlich weniger Raum und dominieren nie das Gesamtbild. JOYCE MANOR als reif und umsichtig aufspielende Band zu bezeichnen, widerspricht der bauchgesteuerten, unmittelbaren Anlage von „I Used To Go To This Bar“ keineswegs. Im Gegenteil: Die Mischung aus Erfahrung und Spontaneität macht den besonderen Reiz des Albums aus. Wie stark das von Brett Gurewitz produzierte Werk tatsächlich ist, zeigt sich spätestens dann, wenn man nach dem Ende der eher knapp bemessenen Spielzeit des Albums instinktiv direkt den nächsten Durchlauf startet. „I Used To Go To This Bar“ ist ein kompaktes, lebendiges und emotional zugängliches Werk, das genau dort ansetzt, wo JOYCE MANOR seit Jahren glänzen.

(Epitaph)