DOOMHERRE

Wie heißt es doch so treffend bei Bandcamp: „Classic Doom From The North!“ Genau das liefern DOOMHERRE. Das Trio aus Stockholm hat sich kompromisslos dem schweren Klang verschrieben und mit „Plaguelords“ ein Werk geschaffen, das die Essenz des Doom in die Gegenwart trägt.

Auf die Frage nach der kreativen Reise zum neuen Album erklären die Musiker: „Auf „Bonegoat“ haben wir noch herausgefunden, wer wir als Band sind. In vielerlei Hinsicht erinnerte es an die alten Demo-Tape-Tage der Death-Metal-Szene der 1990er: Man nimmt etwas Rohes auf, kopiert das Cover und tauscht es in der Community. Der Unterschied ist, dass es heute „leicht“ ist, solche frühen Experimente auf Vinyl pressen zu lassen, statt sie für ein paar Dollar bei einer Show zu verkaufen. „Plaguelords“ hingegen ist unser erstes „echtes“ Album, weil es die Version von DOOMHERRE einfängt, die wir immer im Kopf hatten.“ Die kontraststarken Songs verbinden gewaltige, mythische Atmosphären mit persönlichen Untertönen: „Wir arbeiten mit Bildern, die wir mit fiktiven oder realen Situationen verknüpfen. So erforschen wir, wie sich Gefühle hervorrufen lassen, die durch Riffs und Texte verstärkt werden.“

Das zugrundeliegende Storytelling spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle: „Die Figur aus einer anderen Welt ist auf „Plaguelords“ kein Geist oder Dämon im Fantasy-Sinn. Für uns ist sie sehr real: eine Gestalt, die entsteht, wenn man Gier, Macht und Selbsterhaltung zu einem Wesen kombiniert – eine Herrscher-Elite, die größer und reicher wird auf Kosten aller darunter. Wir nennen ihn den Bonegoat, und er ist seit dem ersten Album die zentrale Figur in unserer Musik und unserem Artwork. Die Hörer müssen das nicht wörtlich nehmen; entscheidend ist, dass sie die Präsenz erkennen, weil es Versionen davon überall gibt.“ Die Eigenproduktion des Albums ist für DOOMHERRE ein weiterer entscheidender Schritt zur Umsetzung der eigenen Vorstellungen: „Selbstproduktion bedeutet absolute Freiheit und absolute Verantwortung. Wir müssen keinem externen Produzenten erklären, warum ein Riff 64 Mal wiederholt wird, bevor etwas anderes passiert. Wir schauen uns einfach an, nicken und drücken auf Aufnahme. Außerdem hält es die Kosten niedrig. Ein Doom-Rock-Star zu werden, ist extrem teuer, und die Eigenproduktion ist unser einziger Finanzplan. Aber vor allem macht sie die Musik authentischer.“

Die visuelle Seite ist der nächste wichtige Teil für die Schweden: „Wir hatten das Glück, mit dem brasilianischen Künstler Kin Noise zu arbeiten, der unsere visuelle Identität entscheidend geprägt hat. Er hat den Bonegoat erschaffen – eine Figur, die zuvor nur in unseren Köpfen existierte – und ihr eine Form gegeben, die wir sofort wiedererkannten.“ Das Wesen von DOOMHERRE beschreiben die Stockholmer klar: „Unsere Musik basiert auf Gefühlen, deshalb zitieren wir den mächtigen Wino: „If it ain’t heavy, it ain’t shit.“ Wir müssen etwas spüren, wenn wir schreiben und spielen. Bonegoat ist unser Dirigent – ein Werkzeug, mit dem wir Themen erforschen und Geschichten erschaffen. Wir malen Bilder im Kopf der Hörer. Aber wir jagen keinen Trends nach und passen uns nicht an. DOOMHERRE existiert nur, weil wir drei es gemeinsam tun.“ Ihre Leitphilosophie ist ebenso schlicht wie konsequent.

„Unsere Regel ist einfach: Wenn es sich nicht wahr anfühlt, lassen wir es. Die Band haben wir kurz vor der Pandemie gegründet, um Spaß zu haben und kreativ zu bleiben. Wichtig ist uns, die Freundschaft zu bewahren und lieber langsam zu wachsen, als etwas zu riskieren, das uns kompromittieren würde.“ Die musikalischen Einflüsse sind dabei unüberhörbar: „Black Sabbath, Pentagram, The Obsessed und Candlemass sind die Säulen. Gleichzeitig haben wir Wurzeln im Death-Metal-Underground der 1990er und den frühen Tagen des Stoner Rock. Victor (Gitarre und Vocals) ist ein leidenschaftlicher All-Music-Fan, Daniel (Schlagzeug) tief in allem Extremen, und Max (Bass)… Nun, wir gehen davon aus, dass auch er Musik hört. DOOMHERRE schöpft aus all diesen Hintergründen.“ Wie wollen sie wahrgenommen werden? „Als traditionelle Doom-Metal-Band aus den Stockholmer Vororten, die echte Kunst macht. Musik, die dich fühlen lässt und dir live die Perücke vom Kopf bläst.“ Live entfaltet sich die volle Wucht des Heavy-Sounds:

„Wir gehören auf die Bühne. Songs, die auf Platte schwer wirken, werden dort überwältigend, weil wir die Energie des Publikums aufnehmen. Wenn etwas schiefgeht, brechen wir nicht ab, sondern spielen weiter und halten die Verbindung. Unser massiver Sound gewinnt uns oft neue Fans. Es sollte sich anfühlen wie eine Wand, die auf dich zukommt – im Neurosis-Stil.“ Die Beschreibung trifft auf „Plaguelords“ allemal zu. Geht es nach den Musikern, nehmen Hörer das Folgende mit: „Ein Erlebnis voller Headbanging und Fäuste-in-die-Luft-Momente. Das niedergeschlagene Gefühl, das du vor dem Hören hattest, ist verschwunden. Und hoffentlich wächst die Sehnsucht nach mehr DOOMHERRE. Vor allem soll „Plaguelords“ aber ein großartiges Erlebnis schwerer Klänge sein, das deinen Tag besser macht und dich neugierig zurücklässt, die Songs in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben: auf der Bühne.“

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