HUM – Three

Die meisten Tracks von „Three“ überschreiten die Vier-Minuten-Marke oder bewegen sich zumindest deutlich darauf zu. Das Trio aus Frankfurt am Main nimmt sich also bewusst Zeit für den Aufbau seiner Stücke und nutzt diesen Raum, um Motive repetitiv zu verstärken und Spannungsbögen organisch wachsen zu lassen. Obwohl HUM in klassischer Rock-Besetzung – Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang – auftreten, schöpfen sie aus diesen vermeintlich begrenzten Mitteln erstaunlich viel heraus. Der Sound wirkt groß, schwer, raumgreifend und zeigt, wie effektiv ein reduziertes Set-up sein kann, wenn es mit Gespür und Konsequenz eingesetzt wird. Stilistisch bewegen sich HUM bevorzugt in mystisch-düsteren Gefilden, doch „Three“ überrascht immer wieder mit helleren, fast schwebenden Momenten. Diese Kontraste verleihen dem Album Dynamik. Seit ihrer Gründung im Jahr 2019 sind die Hessen hörbar zusammengewachsen; die elf Stücke des Albums zeugen von einem eingespielten Kollektiv, das dennoch neugierig bleibt. Auffällig ist, dass HUM sich nicht auf Stoner- und Psychedelic-Rock beschränken wollen. Vielmehr nutzen sie diese Genres als Ausgangspunkt, um an den Rändern zu experimentieren und auszubrechen, sobald sich Möglichkeiten ergeben. Immer wieder blitzt eine Post-Rock-ige Eigenwilligkeit auf, die den Songs eine zusätzliche Tiefe verleiht. An anderer Stelle sorgen elektronische Akzente oder eine nach vorn drängende Abenteuerlust für frische Impulse. All diese Facetten tragen zur Vielseitigkeit von „Three“ bei und halten das Interesse am Verlauf der Platte hoch. Gleichzeitig wünscht man sich stellenweise etwas mehr strukturelle Klarheit. Nicht jeder Song macht unmittelbar deutlich, welche kompositorische Richtung verfolgt wird oder wohin die Reise führen soll. Diese Unschärfe kann als künstlerische Freiheit gelesen werden, lässt aber gelegentlich das Gefühl entstehen, dass HUM ihr eigenes Potenzial noch fokussierter ausschöpfen könnten.

(Tonzonen)