CLAWFINGER

Mit „Before We All Die“ melden sich CLAWFINGER nach vielen Jahren zurück. Das Album greift aktuelle gesellschaftliche und ökologische Themen auf und präsentiert sie in jener kompromisslosen Mischung aus Rap-Metal und Crossover, die die Band seit ihrem Debüt prägt.

„In gewisser Weise ist das schmeichelhaft, also ist es schön, aber letztendlich haben wir nie versucht, uns einem Format anzupassen“, erklärt Frontmann Zak Tell auf die Frage, wie die Musiker zu der oft verwendeten Bezeichnung als Pioniere des europäischen Rap-Metal stehen. „Wir wussten nicht, dass es einen Rap-Metal-Trend geben würde, und es war uns auch egal. Unser Ziel war einfach, Songs zu machen, die uns selbst gefielen, und dabei verschiedene Elemente zu verbinden, die wir lieben. Aufgrund unserer Persönlichkeit und unseres musikalischen Hintergrunds ist daraus das geworden, was es geworden ist. Es gibt einen Grund, warum wir auch heute, fast 33 Jahre später, noch ähnlich klingen: Wir mögen es so! Bei Musik ging es schon immer darum, Einflüsse zu mischen und alles, was man hört, zu verarbeiten, und genau das haben wir immer gerne gemacht. Nennt uns Rap-Metal, Crossover, Industrial oder Nu-Metal, wir nennen uns CLAWFINGER!“ Auch zur aktuellen Musiklandschaft nimmt Zak klar Stellung:

„Es gibt immer noch Bands, denen das wichtig ist, was sie tun, und Leute, die etwas sagen wollen, das Bedeutung hat. Andererseits ist Musik ein breites Spektrum und nicht alles muss ernst, politisch, Hardcore oder was auch immer sein. Nicht einmal wir erfüllen immer diese Kriterien. Ich persönlich habe es jedoch immer für wichtig gehalten, zu versuchen, etwas zu sagen, das Bedeutung hat, und das hat einfach damit zu tun, dass ich mit der Protestmusik meiner Mutter aufgewachsen bin, mit dem Punk, den ich als Teenager entdeckt habe, und dass ich mich immer zu Künstlern hingezogen gefühlt habe, die es wagten, ihre Meinung zu sagen, unabhängig vom Genre. Gleichwohl habe ich das Gefühl, dass es eine junge Generation gibt, die den Hunger und die Motivation verloren hat, etwas Originelles und Eigenes zu schaffen. Heutzutage geht es eher um schnelle Lösungen, einen Hit, etwas Ruhm, sich einen Namen zu machen, gutes Geld zu verdienen, aber manchmal vermisse ich den Herzensaspekt. Sie sind nicht immer auf lange Sicht dabei und geben leicht auf. Wow, das lässt mich alt klingen!“ Nach Jahrzehnten im Geschäft stellt sich die Frage nach der Motivation auch für CLAWFINGER. Zak beschreibt die Dynamik innerhalb der Band so:

„Es gibt Höhen und Tiefen, und wir sind alle unterschiedlich motiviert. Vielleicht funktioniert es deshalb immer noch, auch wenn wir manchmal sehr dysfunktional sind. Der geschäftliche Teil ist meiner Meinung nach furchtbar langweilig, aber zum Glück finden andere Band-Mitglieder ihn interessant. Das Gleiche gilt für das Musizieren: Wir haben unsere unterschiedlichen Rollen, bringen unsere Persönlichkeiten und Parts ein, und am Ende schaffen wir es meistens, etwas Gutes oder Großartiges daraus zu machen. Auf der Bühne haben wir mehr Spaß denn je, sind entspannter und haben eine großartige Zeit. Alles rund um die Show, das Reisen, das frühe Aufstehen, die langen Nächte, das Warten – all das kann nervig sein, aber es gehört nun mal dazu, also muss man sich darauf einstellen und das Beste daraus machen. Die Dinge sind nur so spaßig, wie man sie selbst gestaltet.“ Der entscheidende Impuls für das neue Album entstand eher zufällig:

„Wir hatten immer einen Vorrat an Riffs und Ideen auf einer Festplatte oder in einer Dropbox-Bank, aber das Leben kam uns oft dazwischen, vor allem, als wir nicht mehr von der Musik leben konnten. Technisch gesehen hatten wir nur ein Jahr Pause von gelegentlichen Festival-Auftritten, aber wir hatten eine Zeit lang den Kontakt zum Songwriting verloren. Das änderte sich, als unser Manager Reto Ende 2016 für ein Wochenende nach Stockholm kam und uns fragte, ob wir eine Songwriting-Session machen würden, wenn er ein Hotel-Apartment mieten würde. Wir sagten: „Klar, wir können es versuchen“, und innerhalb von 24 Stunden hatten wir ,Save Our Souls‘ geschrieben, was eine Art Zündfunke war, auch wenn es vielleicht nicht unser bester Song aller Zeiten ist. Von da an spielten wir mehr auf Sommer-Festivals und spürten, wie der Spaß und der Hunger langsam zurückkehrten. 2018 folgte eine „Deaf, Dumb, Blind“-Tour zum 25-jährigen Jubiläum, und ein Jahr später veröffentlichten wir ,Tear You Down‘, das sich eher wie unsere „traditionellen“ Werke anfühlte.

Die Festivals wurden immer mehr, und 2022 veröffentlichten wir ,Environmental Patients‘. Weitere Songs entstanden nach und nach, und irgendwann im Jahr 2023 stellte unser Manager fest, dass wir fünf bis sechs Songs hatten, und fragte uns, ob es vielleicht eine gute Idee wäre, ein weiteres Album zu veröffentlichen. Wir lachten darüber, wie albern das klang, aber gleichzeitig dachten wir: Warum nicht? Vielleicht ist es an der Zeit, und vielleicht sollten wir das Album einfach „Before We All Die“ nennen. Mit anderen Worten, die Songs sind größtenteils organisch entstanden, ohne dass wir konkret ein Album im Sinn hatten, aber so haben wir es sowieso immer gemacht. Wir hatten nie Konzeptalben, es waren immer nur eine Reihe von Songs, mit denen wir zufrieden waren. Wir finden nicht immer die Balance oder die richtige Kombination, aber letztendlich lieben wir immer Songs, die eingängig UND heavy sind!“

Clawfinger – Rap-Metal since 1993

Picture credit: Peter Bjoens