Die neue EP Bittersweet markiert für TALLY SPEAR einen Wendepunkt. Die britische Alt-Pop-
Künstlerin legt ein Werk vor, das aus Verlust und Heilung entstanden ist und ihre Rückkehr in eine kreative Welt begleitet, die sich nach einer Phase tiefer persönlicher Erschütterung neu formiert hat.
Nachdem TALLY SPEAR nach einem tragischen familiären Verlust eine Pause eingelegt hatte, fand sie 2025 langsam zurück in den kreativen Prozess. Ihre Beziehung zum Musikmachen hat sich dabei nachhaltig verändert, wie sie erzählt: „Früher habe ich oft gewartet, bis mich die Inspiration von selbst fand. Doch im letzten Jahr, während ich mit meiner Trauer zu kämpfen hatte, musste ich ganz bewusst entscheiden, wieder kreativ zu werden. Auch an Tagen, an denen ich es überhaupt nicht fühlte. In genau diesem Moment entstand das Stück Upside Down. Das hat mir gezeigt, dass manchmal gerade dann etwas Schönes entsteht, wenn
man es am wenigsten erwartet.“ Die bewusste Entscheidung, weiterzumachen, spiegelt sich auch im Titel der neuen EP wider, der die Spannung zwischen Leichtigkeit und Schwere offenlegt:
„Songs zu schreiben und zu veröffentlichen. fühlt sich leicht, süß und positiv an. Doch die Orte, aus denen diese Songs entstanden sind, waren tragisch, traurig und bitter. Jede Musik, die ich von jetzt an veröffentliche, besonders wenn sie sich mit Trauer auseinandersetzt, wird für mich Bittersweet sein. Da ist jemand, von dem man sich
wünscht, er könnte die Musik hören, und gleichzeitig weiß man, dass diese Person glücklich wäre, dass man weiter kreativ ist.“
Diese emotionale Dualität prägt auch die klangliche Welt der EP. Viele Songs wirken, als bewege sich TALLY SPEAR durch vertraute Räume, die sich plötzlich verändert anfühlen: „Ich konnte gar nicht anders, als meine Gefühle in den Sound einfließen zu lassen, denn sie waren allgegenwärtig. Vielmehr musste ich mich bremsen, nicht zu viel nachzudenken, und mich stattdessen darauf konzentrieren, einfach auszudrücken, was ich fühlte, egal wie die Songs am Ende klangen. Sie sind, was sie sind – Momentaufnahmen eines
sehr bestimmten Zeitraums.“ Diese Momentaufnahmen führten die Britin in neues musikalisches Terrain, besonders weil Trauer sie in eine ungewohnte emotionale Tiefe drängte:
„Ich bin kein großer Fan von traurigen Songs und mag es nicht, mich absichtlich traurig zu machen. Eher bin ich ein Rock- und High-Energy-Mensch, aber in dieser Phase gab es kein Entkommen vor melancholischen Songs. Klanglich und textlich war das für mich völliges Neuland, und ehrlich gesagt fühlt es sich ziemlich beängstigend an. Aber es ist alles sehr real und sehr persönlich. Dennoch hoffe ich, dass es irgendwo da draußen mit jemandem resoniert, denn darum geht es am Ende.“ Trotz dieser
Offenheit bleibt für TALLY SPEAR die Balance zwischen Verletzlichkeit und Selbstschutz entscheidend:
„Ich spüre instinktiv, wo die Grenze liegt. Generell lasse ich gern etwas Raum für Interpretationen, damit andere ihre eigenen Bedeutungen in die Songs hineinlegen können, statt alles zu eindeutig zu machen. How Are You ist da die große Ausnahme. Das ist mein mutigster und ehrlichster Song bisher, ohne Zurückhaltung. Trauer und Verlust zu navigieren, ist eine echte Reise. Man durchläuft so viele Phasen, bewegt sich durch eine Welt, die plötzlich fremd wirkt, und beginnt, sich wieder aufzubauen.“
