Abrasive – Edge Of Darkness

Es ist durchaus möglich, dass ich nicht mehr so auf dem Laufenden bin, aber nach meiner persönlichen Wahrnehmung, ist der deutsche Untergrund bezogen auf Death Metal zumindest in Zeiten der Pandemie nicht mehr so sonderlich gut bestückt. ABRASIVE muss man wohl auch noch zu eben jenem Untergrund zählen, auch wenn die Gründung der Band ins Jahr 1999 zurück datiert. Zumindest über meinen Schreibtisch war bis dato noch kein Silberling des Trios gewandert. Grund genug „Edge Of Darkness“ als mittlerweile bei weitem nicht erste Scheibe ein bisschen Aufmerksamkeit zu gönnen. Ich bin ja kein großer Fan von Genreumschreibungen, aber zu ABRASIVE fallen mir gleich zwei passende ein. 1. Death Metal (das völlig ohne Zweifel) und 2. Oldschool. Letztere Komponente sollte eigentlich nicht weiter überraschen, da die Jungs hier sicher nicht mehr zwanzig sind und somit schon zu Hochzeiten des Death Metal voll im Geschäft waren. Somit haben wir es hier wohltuend eben nicht mit Kategorien wie „höher, weiter, schneller“ zu tun, sondern der Fokus liegt gottlob auf den Songs, bzw. dem Songwriting. Wonach das dann unter dem Strich klingt? „Edge Of Darkness“ folgt eindeutig eher us-amerikanischen Vobildern, als dass wir es hier mit melodischem Death Metal zu tun hätten. Sollten ABRASIVE irgendwelche erkennbaren Vobilder haben, dann wären es ebenso nicht unbedingt die klassischen Bands der Florida-Szene. Somit wären wir wo? Richtig, eher bei Autopsy und Co. Die zehn Songs gefallen sich also durchaus mit variablen Tempi, dem Wechsel zwischen tiefem Gulligrunzen und hasserfüllten Schreien. Technik ist reichlich vorhanden, dient aber eher als Transportmittel für groovige, gelegentlich auch sperrige Songs. Viele schräge Akkorde, donnernde Double-Bass. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass ABRASIVE doch stets bemüht sind, einen eigenen Weg zu finden. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. „Edge Of Darkness“ ist somit kein Album, das sich beim ersten Durchgang sofort erschließt. Das ist auch gut so. Ein deutsches Qualitätsprodukt irgendwo zwischen Immolation, Auotpsy und ganz eigenen Ansätzen. Erfindet das Rad nicht neu, unterhält aber ganz vorzüglich.

(RTM-Productions)