ALLEE DER DIKTATOREN – Antifunktionierer.

Wann beschäftigt man sich wirklich mit neuen Platten? Dann, wenn Künstler etwas wagen, das man so noch nicht gehört hat. Wenn Bands ihren eigenen Twist einbringen, der sie unverwechselbar macht und ihnen eine klare Identität verleiht. Wenn Musik nicht nur klingt, sondern berührt – wenn man sich von einer Gruppe emotional abgeholt fühlt, mit ihr auf einer Wellenlänge schwingt und sich im Gehörten wiederfindet. Auf das Quartett aus der deutschen Hauptstadt treffen vor allem die beiden letztgenannten Punkte in besonderem Maße zu. ALLEE DER DIKTATOREN präsentieren einen deutschsprachigen Punk Rock, der sofort packt: direkt, unterhaltsam, zugänglich – und dennoch überraschend vielseitig. Hinter der scheinbaren Einfachheit verbirgt sich ein Werk, das stilistisch wie kompositorisch deutlich mehr bietet, als man zunächst vermuten würde. Genau diese Mehrschichtigkeit trägt entscheidend zur positiven Wahrnehmung von „Antifunktionierer.“ bei. Der Respekt für die Band wächst zusätzlich, sobald man erfährt, dass das Album live im Studio eingespielt wurde. Das hört man: Der Vierer ist eingespielt, souverän, mit sich im Reinen – und schlicht verdammt gut. Diese organische Energie, dieses unmittelbare Zusammenspiel, verleiht den Songs eine Authentizität, die man nicht künstlich herstellen kann. Doch das eigentlich Herausragende sind die Texte. Zwischen Sarkasmus, Ironie und feiner Satire greifen ALLEE DER DIKTATOREN den alltäglichen Wahnsinn auf und sezieren ihn mit scharfem Blick. Sie zeigen die Absurditäten unserer Zeit, ohne sich in Pathos zu verlieren. Oft bleibt einem das Lachen im Hals stecken, denn hinter der humorvollen Verpackung lauern unbequeme Wahrheiten, präzise Beobachtungen und schonungslose Analysen. Wer danach nicht zumindest ein Stück weit zum „Antifunktionierer.“ wird, hat entweder nichts verstanden oder es fehlt an Haltung und Rückgrat. Die Band selbst besitzt davon reichlich. Ihr Anspruch ist klar: nicht nur unterhalten, sondern anstoßen – zum Denken, zum Hinterfragen, im besten Fall zum Handeln. Der unpathetische, eigenständige und treffsichere Vortrag der Berliner entfaltet Wirkung, bleibt hängen und hallt nach. „Antifunktionierer.“ ist damit ein Zweitwerk, das man nicht einfach konsumiert, sondern das einen begleitet, beschäftigt und im besten Sinne herausfordert.

(Abbruch/Broken Silence)