„What If“ ist eine Frage, die man sich oft stellt, und die immer mitschwingen lässt, dass jede Entscheidung Konsequenzen hat. Was man denkt und tut, oder eben nicht tut, beeinflusst, was folgt. Zukunftsszenarien lassen sich selten zuverlässig antizipieren, und selbst wenn man glaubt, vorbereitet zu sein, kommt am Ende doch alles anders. Der Zweifel bleibt: „What if“? Gleichzeitig liegt in dieser Ungewissheit auch eine gewisse Beruhigung. Man wird nie erfahren, wie es hätte kommen können, und genau das schützt vor endlosen Gedankenschleifen. Als übergeordnete Klammer für die Auseinandersetzung mit sich selbst, dem eigenen Leben und all seinen Unsicherheiten eignet sich diese Frage hervorragend. Unter dem Namen MAIIJA widmen sich die Liedermacherin Marilies Jagsch und Produzent Peter Paul Aufreiter (Hearts Hearts) einem intimen, reduzierten und eindringlichen Singer/Songwriter-Elektro-Pop, der viel Raum für Zwischentöne lässt. Mit ihrem zweiten Album, dem Nachfolger von „I Am“ (2023), veröffentlichen die beiden ein Werk, das tief persönlich geprägt ist und emotional stark berührt. MAIIJA thematisieren dabei auch die Auswirkungen von Marilies’ chronischer Erkrankung und öffnen zugleich einen weiten Blick in ihre inneren Landschaften. Diese Offenheit wirkt nach, schafft Nähe und eine bemerkenswerte Bindung, zumal Texte und Gesang klar im Mittelpunkt von „What If“ stehen. Die Produktion bleibt bewusst zurückhaltend, aber niemals karg. Sie trägt, stützt und verstärkt die emotionalen Schichten, ohne sie zu überlagern. Mit Gast-Features von The Zew, Oskar Mayböck und Paul Szelegowitz erhält das Album zusätzliche Facetten, die sich organisch einfügen und das Klangbild subtil erweitern. Das Zweitwerk scheut sich nicht davor, Verletzlichkeit zu zeigen, und entfaltet gerade dadurch eine nachhaltige Wirkung.
(Noise Appeal)
