AMORPHIS – Halo

Ich ahne, dass sich in der Vergangenheit mehr als einmal jemand darüber beschwert hat, dass AMORPHIS nicht dort weitergemacht haben, wo sie einst bei „Tales From A Thousand Lakes“ standen. Zugegeben: Auch mein Einstieg fing damals bei diesem Album an und ich erinnere mich ein ein bisschen wehmütig und dennoch gerne an lange Autofahrten in der Nacht bei denen jene CD mein stetiger Begleiter war. Death Metal mit flokloristischem Einschlag und einer nicht zu leugnenden Melancholie. Kurze Recherche: In zwei Jahren ist das nun tatsächlich schon 30 Jahre her. Hat sich aber im Hause AMORPHIS tatsächlich so viel verändert? Gut, zwischenzeitlich hatten sich die Finnen ganz offensichtlich komplett vom Death Metal befreit, experimentierten in diese und bald in jene Richtung. Doch, lässt man die letzten Alben Revue passieren, besonders gut ist mir naturgemäß „Under The Red Cloud“ in Erinnerung, war es doch damals mein erneuter Einstieg in das Schaffen der Finnen. Zur Ausgangsfrage: Hat sich tatsächlich so viel verändert? Nein, denn wenn man genau hinhört, dann reiht sich „Halo“ nahtlos in die Diskogrpahie ein. Natürlich hört man einen gewaltigen Sprung zwischen „Tales from…“ und „Halo“. Insgesamt tönt es hier frischer und moderner, weniger getragen und weniger oldschool. Dennoch, die Kernelemente sind damals wie heute die gleichen. Mit Verlaub, das ist auch gut so. Im Falle von Amorphis bedeutet dies nämlich nicht künstlerische Stagnation, sondern die nun jahrezehntelang andauernde Verfeinerung eines an sich schon guten Rezepts. Was nun macht dieses Rezept aus? Wechsel zwischen gutturalem Gesang und wunderbar melodiös-gefühlvollen Vocals, begleitet von zart schmelzenden Gitarrenleads. Was mir hier besonders hervorsticht: Epische Melodiebögen, die zumindest mich innerlich und emotional berühren und einladen zumindest für einen Augenblick und mehr die Augen zu schließen und einem wohltuenden Eskapismus zu fröhnen. Dabei haben es AMORPHIS bei aller Melodie nie verlernt zu rocken. Natürlich reden wir hier nicht von stumpfem Gerödel. Auch der Anteil an Death Metal ist präsent, dient aber nicht mehr ausschließlich als Vehikel für Aggression, sondern ist in seiner Darreichung ein Element von vielen.Darüber hinaus erweitern AMORPHIS mit unbändiger Spielfreude ihr musikalisches Universum in allerlei experimentielle Richtungen, auch hier und dort fern von finnischer Folklore, hin zu orientalischen Klängen. Merkt man, dass ich ein bisschen begeistert bin? Gut, dann das hier ist für mich das erste wirkliche Hihghlight des noch jungen Jahres.
(Atomic Fire Rcords)