Einmischen, Haltung zeigen, wenn es nötig ist – und trotzdem den Spaß nicht aus den Augen verlieren. Immer wieder überraschen, ohne sich zu verbiegen. Auf diesen knappen Nenner lässt sich der Ansatz von DER GANZE REST bringen. Das Quartett aus Stuttgart bewegt sich zwischen Punk-Rock und melodischem Hardcore und trägt sein Herz unüberhörbar auf der Zunge. Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen machen es nahezu unvermeidlich, dass die Band politisch Stellung bezieht. Sie spricht Missstände offen an, solidarisiert sich mit Randgruppen und nutzt ihre Plattform, um Themen zu adressieren, die ihnen wichtig sind. „hübsch.“ ist die Welt, die sie beschreiben, ganz sicher nicht – doch musikalisch darf es trotzdem hymnisch, mitreißend und unterhaltsam zugehen. Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Energie ist ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Auch wenn Vergleiche mit Rise Against oder einem rockigeren Casper nicht vollständig greifen, deuten sie doch an, in welche Richtung DER GANZE REST tendieren: emotional aufgeladen, melodisch zugänglich, aber mit klarer Kante. Die 14 Songs ihres vierten Longplayers zeigen das eindrucksvoll. Textlich bleibt die Band kompromisslos deutlich, unmissverständlich und direkt – kein Platz für verklausulierte Botschaften oder vorsichtige Andeutungen. Gleichzeitig beweisen die Stuttgarter, dass politischer Anspruch und musikalische Eingängigkeit sich nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil: Gerade die Verbindung aus Haltung, Herzblut und packenden Melodien macht ihre Songs so wirkungsvoll. DER GANZE REST liefern damit ein Album, das sowohl zum Nachdenken anregt als auch zum Mitsingen einlädt – eine Kombination, die im deutschsprachigen Punk- und Hardcore-Kosmos längst nicht selbstverständlich ist.
(Dackelton)
