EASY LIVING – Hardcore bleibt hässlich

Ob Hardcore zwangsläufig hässlich bleiben muss, sei dahingestellt. EASY LIVING jedenfalls setzen ihn rigoros, eruptiv und textlich hellwach um und entfesseln dabei eine massive Wall-of-Sound, die keinerlei Zweifel an ihrer Haltung lässt. Auf Bandcamp ist von Yogaviolence die Rede. Das ist ein Begriff, der fast ironisch wirkt, denn mit Entspannung, Geschmeidigkeit oder innerer Ruhe hat dieses Trio aus Cottbus rein gar nichts am Hut. Stattdessen regieren Abriss, Aktivierung und eine kompromisslose Direktheit, die sich wie ein körperlicher Impuls anfühlt. Okay, es passt doch. Nur drei der elf Stücke – darunter der Titel-Track – „überschreiten“ überhaupt die Marke von einer Minute Spielzeit. Der Rest ist purer Angriff: ,Bahnhass‘, ,Aktenzeichen ungelöst‘, ,Merchguerilla‘ und die ,Verkürzte Kapitalismuskritik‘ wirken wie musikalische Überfälle zwischen Powerviolence, Blackened Hardcore und Grindcore. EASY LIVING arbeiten mit einer Intensität, die kaum Raum zum Atmen lässt, und doch steckt in den Stücken eine klare Struktur, ein bewusstes Setzen von Reibungspunkten und ein Gespür für pointierte Zuspitzung. Die seit 2024 aktive Brandenburger Formation mit Frontfrau bezeichnet sich selbst als „Antifascist Blast Beat Crew“; einem Label, das nicht als bloße Attitüde funktioniert, sondern als programmatische Selbstverortung. Genau das setzen EASY LIVING auf beziehungsweise mit „Hardcore bleibt hässlich“ konsequent um: politisch wache Texte, ein Sound, der sich jeder Glättung verweigert, und eine Haltung, die sich nicht in Andeutungen verliert.

(Tapes unter Palmen)