Die Musik fällt glücklicherweise deutlich überzeugender und inspirierender aus als das Artwork des neuen Albums von ELECTRIC LITANY. Man fragt sich unweigerlich, ob es im Quartett noch nicht angekommen ist, dass man besser nichts veröffentlicht, was unfertig wirkt oder potenzielle Hörer eher abschreckt als anzieht. Umso erfreulicher ist es, dass die klangliche Seite von „Desires“ diese Schwäche mühelos wettmacht. Die ursprünglich aus Griechenland stammende Formation, die mittlerweile von London aus agiert, scheint mit diesem geografischen Wechsel auch musikalisch am richtigen Ort angekommen zu sein. Die neue Verortung fügt sich nahtlos in die stilistische Ausrichtung des Albums ein, denn ELECTRIC LITANY knüpfen auf „Desires“ spürbar an britische Traditionen an. Gerade das weite Feld zwischen Indie-Synth-Pop und Wave-Post-Punk wurde über Jahrzehnte hinweg maßgeblich von Acts aus dem Vereinigten Königreich geprägt – und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich das Quartett mit hörbarer Selbstverständlichkeit. Die zehn Tracks des vierten Albums tragen zusätzlich einen dezenten, aber wirkungsvollen Shoegaze-Einschlag in sich, der den experimentellen Charakter der Musik unterstreicht, ohne sich in Vordergrund zu drängen. Dieser minimalistische Schleier verleiht den Songs eine gewisse Traumhaftigkeit, die sich hervorragend mit den klar strukturierten Synth-Elementen verbindet. Besonders reizvoll ist die Art und Weise, wie ELECTRIC LITANY synthetische und organische Klänge miteinander verzahnen. Aus dieser Mischung entsteht ein Album, das sowohl eigenständig wirkt als auch unmissverständlich zeigt, welche musikalischen Einflüsse die Band geprägt haben. „Desires“ steht damit als stimmiges, atmosphärisch dichtes Werk für sich, verweist aber zugleich auf ein breites Referenzspektrum, das von Post-Punk-Ikonen bis hin zu modernen Synth-Pop-Minimalisten reicht.
(Flying Hearts/Muting The Noise)
