„Shifting Forms“ ist im Kontext dieses Albums und des Weges dorthin weit mehr als ein Titel – es ist ein Leitmotiv, ein Zustand, ein Prozess. Aus Emilie Zoé ist ELIE ZOE geworden. Aus einer hellen, vertrauten Stimme ist eine deutlich tiefere geworden, mit der die Songs der ersten drei Alben nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form gesungen werden können. Es geht also nicht nur um Wandel, sondern um eine echte Neuerfindung, die Körper, Identität und künstlerischen Ausdruck gleichermaßen betrifft. In diesem Licht lässt sich die neue Platte durchaus als eine Art zweites Debüt verstehen – nicht allein wegen des nach einer Geschlechtsumwandlung verkürzten Namens, sondern weil hier ein Mensch und eine Künstlerperson hörbar neu beginnen. Und doch hat sich gleichzeitig erstaunlich wenig verändert: Die Essenz von ELIE ZOE bleibt spürbar, nur in einer anderen Gestalt. Musikalisch bietet „Shifting Forms“ einen reduzierten Alternative-Indie-Rock, der mit subtilen Pop-Hooks arbeitet und dessen Texte von reflektierter Ehrlichkeit und berührender Verletzlichkeit getragen werden. Die tiefere Stimme fügt sich nahtlos in die dunklere, atmosphärisch dichte Aura des Materials ein – vielleicht sogar mit noch größerem Gänsehautfaktor als zuvor. Die Songs wirken sowohl in ihren intim-minimalistischen Momenten als auch in den kraftvolleren, rockigeren Passagen. ELIE ZOE erzielt in jeder Lage Wirkung, weil die Musik nicht auf Effekte setzt, sondern auf Wahrhaftigkeit. „Shifting Forms“ zeigt einen Künstler, der sich neu zusammensetzt, ohne sich zu verlieren – und die gerade in dieser Transformation eine beeindruckende Klarheit findet.
(Humus)
