I PROMISED THE WORLD – Selftitled EP

An der Erkenntnis, dass eine neue Screamo-Welle rollt, führt längst kein Weg mehr vorbei. Was sich in den letzten Jahren angedeutet hat, nimmt nun klare Konturen an: Eine junge Generation entdeckt die emotional aufgeladene, ungeschliffene Intensität der frühen 2000er neu und formt sie nach eigenen Vorstellungen. Mittendrin befindet sich ein Quintett aus Dallas, Texas, das einst unter dem Namen SIMENA gestartet ist und sich im Mai 2025 in I PROMISED THE WORLD umbenannt hat. Mit dem Wechsel zu Rise Records steht nun der nächste große Schritt an, und das Timing könnte kaum besser sein. Die Renaissance jener Ära, in der Post-Hardcore, Emo/Screamo und MetalCore ineinander übergingen, ist unüberhörbar. Die frühen Platten von THURSDAY, FROM FIRST TO LAST, CHIODOS und vielen weiteren Bands erleben eine neue Wertschätzung nicht nur in nostalgischen Rückblicken, sondern in aktuellen Veröffentlichungen, die diese Einflüsse selbstbewusst aufgreifen. Auch die selbstbetitelte EP von I PROMISED THE WORLD trägt diese DNA in sich. Statt bloßer Hommage entsteht aber ein Werk, das die Essenz der Vergangenheit mit der Dringlichkeit der Gegenwart verbindet. Die Band-Mitglieder sind Anfang zwanzig und nutzen ihre Musik als Ventil für tief sitzende Emotionen. Sänger und Gitarrist Caleb Molina gründete die Gruppe 2020 nach dem Verlust seines Vaters – ein einschneidendes Erlebnis, das bis heute in den Songs nachhallt. Die Texte wirken roh, verletzlich und suchend; sie kreisen um Verlust, Identität, Selbstzweifel und den Versuch, inmitten innerer Unruhe einen Halt zu finden. Diese Authentizität ist spürbar und verleiht der EP eine emotionale Wucht, die weit über stilistische Fragen hinausgeht. Musikalisch bewegt sich das Quintett in einer impulsiven, facettenreichen Mischung aus Post-Hardcore, Emo/Screamo und MetalCore. Die Band versteht es, melodische Fragilität und eruptive Ausbrüche miteinander zu verweben, ohne dass das Ergebnis zerfasert. Im Vergleich zum 2024er Debüt „Fear Of The Fall“ wirkt das neue Material nicht nur deutlich gereifter und strukturierter, sondern auch mutiger und atmosphärisch dichter. Die Songs sind vielschichtig, aber nie überladen; sie besitzen eine innere Logik, die das Werk trotz seiner emotionalen Unruhe zusammenhält. I PROMISED THE WORLD gelingt damit ein Release, das sowohl Fans der frühen 2000er anspricht als auch jene, die die neue Welle erst jetzt für sich entdecken.

(Rise/BMG/Universal)