Mit „There Are More Of Us, Always“ legt JAGGED CITY ein Debüt vor, das sich kompromisslos zwischen fragiler Ruhe und eruptivem Chaos bewegt. Die instrumentale Post-Rock-Platte wirkt roh und unmittelbar, getragen von einer Energie, die sich aus Spontaneität und Vertrauen speist. Gitarrist Jake Woodruff (Defeater) und Bassist Carlos Torres (ehemals Live-Explosions In The Sky)
haben gemeinsam mit Schlagzeuger und Produzent Urian Hackney ein Werk geschaffen, das Intensität aus Ehrlichkeit und Tiefe aus Mut schöpft.
Die Gruppe entstand nicht aus Kalkül, sondern aus einem natürlichen Prozess: „Dieses Projekt wurde ganz organisch, Schritt für Schritt, zu einer vollwertigen Band“, erzählt Jake. „Es war eine Übung darin, dem Prozess zu vertrauen. Wir haben Ideen geteilt und virtuell zum Spaß abgehangen, und dann nahm es Fahrt auf.“ Die besondere Energie der Aufnahmesessions prägt dabei das Ergebnis: „Instinkt und Versuch-und-Irrtum stehen über allem“, so der Gitarrist. „Struktur ist hauptsächlich nützlich, um Raum für Instinkt und Emotion zu schaffen. Manchmal hilft sie dabei, öfter jagt man aber Gefühlen und Dingen nach, die jenseits oder neben geschriebener Sprache liegen.“ Die Sessions selbst waren von einer besonderen Frische getragen: „Alles an dieser Aufnahme fühlt sich für uns neu und aufregend an. Es ist ein neues Projekt mit drei Musikern, die
zuvor nie zusammen gespielt hatten. Wir sind einfach mit dem Flow gegangen und haben erkundet, wie diese Band klingt.“ Die Spannung zwischen zarten Passagen und wütenden Ausbrüchen entstand bewusst durch Reduktion:
„Aus produktionstechnischer Sicht sind wir definitiv den Weniger-ist-mehr-Ansatz gegangen“, stimmt Jake zu. „Das macht alles direkter, wodurch die ruhigen Teile intimer klingen und die schweren Sachen roh und wütend.“ Instrumentalmusik lässt dabei ganz automatisch zusätzlichen Raum für Interpretation. Genau darin liegt für JAGGED CITY ein zentraler Wert: „Diese Platte ist ein Produkt von Zusammenarbeit, Liebe und Kreativität“, holt der Gitarrist aus. „Wir hoffen, dass sie Menschen inspiriert, sich zu verbinden und gemeinsam kreativ zu denken. Oder einfach, dass sie sie dort abholt, wo sie gerade sind, und ihren emotionalen Zustand ein kleines Stück verbessert.“ Das Wesen der Band beschreibt der Musiker so: „Wir streben danach, gute Songs zu schreiben, und langweilen uns mit übermäßig glänzenden Produktionen. Also sind wir in eine natürlichere, menschlichere und rauere Richtung gegangen.
Wir sind Punks, die wissen, wie sie klingen wollen, und hatten das Glück, diese EP mit talentierten Leuten umzusetzen.“ Diese Haltung ist eng mit ihrer Leitphilosophie verknüpft:
„Wir wollen uns als Menschen verbinden. Das macht am meisten Spaß und ist eines von vielen wirksamen Werkzeugen, die jeder hat, um Unterdrückung zu widerstehen.“ Die musikalischen Einflüsse reichen von Explosions In The Sky über Caspian bis hin zu Do Make Say Think, Sepultura und MF Doom. Besonders prägend war zudem Hanif Abdurraqibs Buch „There’s Always This Year“, das der Band ihren Namen gab: „Du solltest dieses Buch für den vollen Kontext lesen“, sagt Jake. „Es ist ein wunderschöner Ausdruck davon, wie Menschen immer Wege finden, etwas zu erschaffen, zu überleben, zu lieben und zu kämpfen, und darüber, dass Unterdrücker niemals Erfolg haben werden.“ Widerstandsfähigkeit ist für JAGGED CITY ein wichtiger Begriff: „Verbindung und Gemeinschaft sind die einzige wahre Resilienz und Stärke. Musik – und jede Kreativität – fließt von Menschen aus nach außen. So finden wir einander, schaffen Gemeinschaft und das führt dann durch Fürsorge zu Resilienz.“
