LIKE WE ARE – Your Diary

Beginnen wir mit dem ersten Satz der Selbstbeschreibung auf der Band-Website: „LIKE WE ARE stehen für modernen Core-Rock mit emotionaler Tiefe, großen Refrains und elektronischen Elementen.“ Treffender könnte die österreichische Formation ihr eigenes Profil kaum zusammenfassen. Das Quintett existiert bereits seit einigen Jahren, mit „Your Diary“ legen LIKE WE ARE nun ihren ersten Longplayer vor. Und der zeigt unmissverständlich, dass die Band mit großen Ambitionen antritt. Die Songs sind hörbar darauf ausgelegt, eines Tages in Arenen zu funktionieren: breite Arrangements, hymnische Refrains, viel Pathos, viel Fläche. Interessant ist dabei die Balance zwischen den angekündigten Stil-Komponenten. Zwar führt die Band den Begriff „Core“ im eigenen Genre-Verständnis, doch auf „Your Diary“ dominiert eindeutig der Rock-Anteil. Härte, Kanten oder aggressive Ausbrüche treten zugunsten von Eingängigkeit und maximaler Zugänglichkeit in den Hintergrund. LIKE WE ARE setzen konsequent auf Kompatibilität. Das spiegelt sich sowohl in der Produktion als auch in der Songstruktur wider. Die elektronischen Elemente fügen sich nahtlos in dieses Bild ein, ebenso die raumgreifenden Clean-Refrains. Dass Christoph Wieczorek (Annisokay) als Produzent beteiligt war, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine logische Entscheidung. Sein Sound-Verständnis für moderne, polierte Rock-Produktionen passt exakt zu dem, was LIKE WE ARE erreichen wollen. Selbst das Cover von OneRepublics ,Secrets‘ überrascht kaum. Vielmehr bestätigt es erneut den Eindruck, dass die Band bewusst auf größtmögliche Breitenwirkung setzt und sich stilistisch dort positioniert, wo die Schnittmenge zwischen Rock, Pop und Core am größten ist. Doch genau hier liegt auch die Schwäche des Albums. „Your Diary“ ist so glatt, so zeitgemäß, so perfekt auf moderne Hörgewohnheiten zugeschnitten, dass es an Reibung, Charakter und Wiedererkennungswert mangelt. Die Songs unterhalten zweifellos, sie fließen gut, sie sind professionell produziert – aber sie hinterlassen kaum Spuren. Nach dem Hören bleibt wenig haften, weil die Konturen fehlen, die Ecken, an denen man hängenbleibt, die Momente, die überraschen oder herausfordern.

(Inked Owl)