MAD VANTAGE – Minutiae.

Schon beim ersten Hören wirkt dieser Vollzeit-Einstand wie eine Zeitreise: zutiefst retro, aber zugleich durchdrungen von jenem futuristischen Glanz, der die 1980er Jahre prägte. Der Projektname MAD VANTAGE scheint dieses Spannungsfeld bewusst als Wortspiel aufzugreifen. Hinter dem neuen Alias steckt Selene Messinis, die man als Keyboarderin und Komponistin komplexer Synthesizer-Architekturen vor allem unter ihrem Künstlernamen Solune kennt. Auf „Minutiae.“ stehen ungebremste Experimentierfreude und das fortwährende Erschaffen neuer Klangwelten im Mittelpunkt. Prog, Electronica, Jazz und Metal bilden das Grundgerüst, doch Messinis behandelt diese Zutaten nicht als starre Vorgaben. Stattdessen lässt sie alles offen, situativ und organisch entstehen – ohne je ins Beliebige oder Richtungslose abzudriften. Dass das Album vollständig instrumental gehalten ist, überrascht kaum: MAD VANTAGE versteht sich als Projekt, das Klangflächen, Stilbrüche und eine fast schon filmische Dramaturgie in den Vordergrund stellt. In jedem einzelnen Stück passiert enorm viel. Strukturelle Komplexität und ein hoher Informationsgehalt prägen das Album, dennoch bleibt „Minutiae.“ jederzeit zugänglich und nachvollziehbar. Hörerinnen und Hörer können selbst entscheiden, wie tief sie in dieses detailverliebte Debüt eintauchen möchten – ob sie sich von den Stimmungen treiben lassen oder die vielschichtigen Arrangements analytisch sezieren. Das vielleicht Überraschendste: Trotz aller Vielseitigkeit, trotz der stilistischen Kühnheit und der intellektuellen Dichte funktioniert das Werk auf einer ganz einfachen Ebene – es macht schlicht Freude. MAD VANTAGE gelingt damit eine Art musikalische Quadratur des Kreises. Solune erschafft mit diesem Projekt etwas, das sich eigentlich gegenseitig ausschließen müsste: ein Album, das gleichzeitig anspruchsvoll, verspielt, herausfordernd und unmittelbar unterhaltsam ist. Gerade in dieser Balance zeigt sich die Virtuosität aller Beteiligten – und das Potenzial eines Projekts, das erst am Anfang steht, aber bereits jetzt eine eigene, unverwechselbare Handschrift trägt.

(Art As Catharsis)