NULLMORPHEM – Ausgesuchte Zeitverschwendung

Ihre ganz eigene Mischung aus Singer/Songwriter-Elementen, Akustik-Pop und einem Hauch Hamburger Schule verfolgen Sänger Simon-Dominik „Otti“ Otte und Multi-Instrumentalist sowie Produzent Bigo Seinz bereits seit vielen Jahren mit spürbarer Hingabe. NULLMORPHEM ist für die beiden weit mehr als ein musikalisches Projekt – es ist eine Plattform, auf der sie ihr Leben, ihre Gedanken und ihre alltäglichen Beobachtungen in Liedform festhalten und mit anderen teilen. „Ausgesuchte Zeitverschwendung“ nennen sie das augenzwinkernd, wohl wissend, dass sich gute Songs nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln lassen – selbst dann nicht, wenn sie auf persönlichen Erinnerungen basieren. Worte und Klänge müssen ineinandergreifen, müssen ein Gefühl transportieren, eine Stimmung erzeugen, einen Soundtrack formen, der authentisch bleibt und berührt. Hört man das Album, entsteht genau dieser Eindruck: Man bleibt hängen, hört weiter, möchte wissen, welche Gedanken, Zweifel oder kleinen Alltagsgeschichten als Nächstes auftauchen. NULLMORPHEM wirken nahbar, ungekünstelt und menschlich – Menschen wie du und ich. Gerade deshalb fällt es leicht, sich in ihren Texten wiederzufinden, eigene Erfahrungen darin zu spiegeln und sich emotional einzuklinken. Der Gast-Auftritt von Matze Rossi fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Auch er steht für eine unpathetische, belastbare und zutiefst menschliche Art des Songwritings: Ehrlichkeit ohne Pathos, Gefühl ohne Kitsch, Nähe ohne Aufdringlichkeit. NULLMORPHEM schaffen damit ein Werk, das nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten. Allerdings wird im Verlauf des Albums auch hörbar, dass Otti immer wieder an seine stimmliche Leistungsgrenze stößt. Das verleiht den Songs zwar zusätzliche Authentizität und eine gewisse Verletzlichkeit, trägt jedoch nicht unbedingt dazu bei, dass man NULLMORPHEM automatisch zu seiner neuen Lieblingsband erklärt.

(Eigenrelease/Ausgesuchte Zeitverschwendung | Nullmorphem)