Unearth haben vor vielen Jahren eine ihrer Veröffentlichungen ebenfalls „Endless“ betitelt – eine nostalgische Erinnerung, die sich als gutes Omen erweist, denn der zweite Longplayer der aus Nevada stammenden OV SULFUR ist eine eindrucksvolle Platte, die das Potenzial der Band voll ausschöpft. Im Vergleich zum Debüt „The Burden Ov Faith“ wirkt das Spiel des Quintetts um Frontmann Ricky Hoover (ex-Suffokate) deutlich absichtsvoller, songdienlicher und selbstverständlicher. Schon der Einstand von 2023 ließ aufhorchen und verschaffte der Gruppe aus Las Vegas einen guten Start. Doch das Material von „Endless“ bietet in jeder Hinsicht mehr: mehr Brutalität, mehr Melodie, mehr Atmosphäre. Die Band spannt den Bogen zwischen extremer technischer Frickelei und kompromissloser Härte einerseits sowie melodischen, zugänglichen Anklängen andererseits. Besonders die Integration des Clean-Gesangs sorgt für zusätzliche Dynamik und verleiht den Songs eine emotionale Tiefe, die über das reine Aggressionslevel hinausgeht. Das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Einflüsse wirkt durchdachter und zielgerichteter als zuvor. Am Grundrezept – einer Mischung aus Black Metal, Deathcore, MetalCore und orchestralen Elementen – hat sich wenig geändert, doch OV SULFUR klingen auf ihrem Zweitwerk fokussierter, reifer und atmosphärisch dichter. Die düster-apokalyptische Stimmung des Albums zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs. Die Touren mit Szenegrößen wie Lorna Shore, Signs Of The Swarm und Nekrogoblikon haben hörbar dazu beigetragen, den Sound auf seinen wirkungsstarken Kern herunterzubrechen. Diese Live-Erfahrungen haben die Band geschärft und ihr Gespür für maximale Wirkung verfeinert, sodass „Endless“ nun mit voller Kraft und Vehemenz einschlägt. Die Stücke sind klarer strukturiert, verzichten auf unnötige Ausschweifungen und dienen konsequent dem Gesamtfluss. Die orchestralen Elemente sind nicht bloß Beiwerk, sondern integraler Bestandteil des Albums, der die epische Dimension verstärkt. OV SULFUR zeigen damit, dass sie nicht nur brachiale Gewalt liefern, sondern auch emotionale Nuancen beherrschen.
(Century Media/Sony)
