Auf dem ersten vollwertigen Album der Lübecker Band PASTOR GERALD klaffen Anspruch und Ergebnis spürbar auseinander. Zwar lässt sich klar erkennen, worauf das Quintett um Frontfrau Maja abzielt: Mit deutschsprachigen Texten und Punk Rock-igen, bewusst eingängigen Nummern wollen die Norddeutschen Songs schaffen, die gleichermaßen unterhalten, anstacheln und zum Nachdenken anregen. Der Ansatz, Protest mit Party, Humor und großen Ambitionen zu verbinden, ist grundsätzlich reizvoll und verspricht ein interessantes Spannungsfeld. Inhaltlich geht es laut, überzeichnet und provokant zu. „Planet der Pfaffen“ möchte mit Ironie, Sarkasmus und bewusst überspitzten Bildern arbeiten, um gesellschaftliche Missstände, Fehlentwicklungen und Absurditäten pointiert zu kommentieren. Doch genau hier beginnt das Problem: Die angestrebte Schärfe bleibt häufig stumpf. Die Provokation zündet selten so, wie sie soll, weil es an sprachlicher Präzision, semantischer Treffsicherheit und dem nötigen Feingefühl für Timing fehlt. Statt pointierter Zuspitzung entsteht oft der Eindruck, dass die Band um jeden Preis anecken möchte – und gerade dadurch an Wirkung verliert. Was man von PASTOR GERALD hört, wirkt streckenweise zu bemüht, zu gewollt, zu sehr auf Effekt getrimmt. Die Lockerheit, die Leichtigkeit und der Witz, die Punk und Satire eigentlich tragen könnten, bleiben auf der Strecke. Selbst die thematische Relevanz – denn die Band greift durchaus die „richtigen“ gesellschaftlichen Problemfelder auf – kann diesen Eindruck nicht vollständig auffangen. Gute Absichten allein reichen eben nicht, wenn die Umsetzung nicht mit derselben Klarheit und Konsequenz erfolgt. So bleibt „Planet der Pfaffen“ ein Album, das viel vorhat, aber nur selten die eigene Zielmarke trifft.
(Dackelton)
