THE BIRCH – Vicious Minds

Die Titel der letzten beiden Songs des Albums bringen die Ausrichtung von THE BIRCH im Grunde bereits auf den Punkt. ,Roll’n’Rock‘ markiert nicht nur die stilistische Grundhaltung, sondern deutet zugleich an, dass die Band das sprichwörtliche Pferd gern von hinten aufzäumt: Sie arbeitet mit einem ausgeprägten Traditionsbewusstsein, das tief im klassischen Rock verwurzelt ist, und wagt nur dosierte Schritte in Richtung Moderne. ,Free Your Head‘ wiederum verrät, dass die Gruppe aus Sachsen-Anhalt nicht verkopft an ihre Musik herangeht. Stattdessen folgt sie ihrer Intuition, ihren Emotionen und einem kreativen Fluss, der sich nicht durch übermäßiges Kalkül bremsen lässt. Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch „Vicious Minds“. Besonders deutlich wird, dass die Mischung aus Blues- und Psychedelic-Rock vor allem für die Bühne gedacht ist. Die sieben Tracks der Quedlinburger wirken bereits auf Platte intensiv, doch ihr volles Potenzial entfalten sie vermutlich erst im direkten Austausch mit dem Publikum – dort, wo Energie, Spontaneität und Interaktion den Sound noch einmal aufladen. Obwohl die Musiker auf dem Cover vergleichsweise jung wirken, sind THE BIRCH als Band alles andere als unerfahren. Man spürt in jedem Arrangement, dass sie ihren Ansatz verinnerlicht haben und genau wissen, wie man organisch-warmen, bauchgesteuerten Rock glaubhaft und wirkungsvoll inszeniert. Die Songs atmen eine Natürlichkeit, die nur entsteht, wenn eine Band sich selbst vertraut und ihre musikalische Sprache gefunden hat. „Vicious Minds“ zeigt THE BIRCH daher als Formation, die Tradition nicht kopiert, sondern weiterträgt – und dabei genug Selbstbewusstsein besitzt, um ihren eigenen Weg zwischen Erdigkeit, Psychedelia und Live-Energie zu gehen.

(Tonzonen)