THE IMPERIAL MUSTARD – Turn The Stone

Das Spiel der Hessen als situativ und repetitiv zu beschreiben, wirkt fast wie eine höfliche Untertreibung und trifft den Kern ihrer Arbeitsweise nur bedingt. Ihr zweites Album „Turn The Stone“ präsentiert sich weniger als sorgfältig komponiertes Studiowerk, sondern vielmehr als ausgedehntes Live-Happening, das sich in weite, teils diffuse Psychedelic- und Krautrock-Sphären verliert. Die Stücke wirken, als seien sie direkt aus einer nächtlichen Jam-Session destilliert worden – roh, frei, ungefiltert, aber eben auch ohne klare dramaturgische Konturen. Gerade deshalb bleibt unklar, ob man auf diesem Album tatsächlich das volle kreative Potenzial von THE IMPERIAL MUSTARD zu hören bekommt oder lediglich eine Ahnung davon, wie hypnotisch und mitreißend ein Konzert der Formation um die angenehm rauchige Sängerin Suse Michel sein könnte. Die neun Tracks, die das Album tragen, verlangen dem Hörer einiges an Geduld ab. Allzu oft passiert schlicht zu wenig, verlieren sich die Stücke in endlosen Schleifen oder wirken in ihrer Offenheit eher beliebig als bewusst gestaltet. Spannung baut sich selten auf – und wenn doch, dann verflüchtigt sie sich ebenso schnell wieder. Dabei kann freigeistige, suchende Musik durchaus faszinieren, neue Perspektiven eröffnen und den Hörer auf unerwartete Reisen mitnehmen. Doch „Turn The Stone“ gelingt dieser Spagat nur bedingt. Die breit ausufernden Retro-Vibes verharren über weite Strecken im Kreis, ohne sich wirklich weiterzuentwickeln oder ein klares Ziel anzusteuern. Am Ende bleibt weniger ein Eindruck von künstlerischer Vision als vielmehr die Frage, welche Absichten THE IMPERIAL MUSTARD mit diesem Werk tatsächlich verfolgen – und ob das Album eher als Experiment, Zwischenstand oder bewusstes Statement verstanden werden soll.

(Slag)