Beim vorliegenden Werk handelt es sich um das erste Album des Berliner Künstlerkollektivs rund um Frank Binke, der auch bei oder mit Kingdom Come, The String Theory und Musik-Ashram aktiv ist. Der Titel „Georgia“ ist dabei keineswegs zufällig gewählt – und selbstverständlich nicht als Verweis auf den US-Bundesstaat zu verstehen. Vielmehr dient er als programmatischer Rahmen für eine musikalische Reise in die georgische Kultur. Gemeinsam mit dem georgischen Frauenchor Akhla widmen sich THE LIGHT BELOW traditionellen Liedern, Motiven und Gesangstechniken des Landes und übertragen diese in die Klangwelt einer modernen Post-Rock-Formation, deren musikalisches Spektrum weiterhin Elemente aus Doom, Sludge und Ambient umfasst. Dass einige der beteiligten Musiker Erfahrung im Bereich Filmkomposition mitbringen, ist dem Album deutlich anzuhören. Viele Passagen besitzen eine cineastische Tiefe, eine erzählerische Spannung und eine atmosphärische Dichte, die man eher aus Soundtracks kennt. Zugleich ist „Georgia“ kein durchgehend vokal getragenes Werk. Die rein instrumentalen Stücke – noch gemeinsam mit Steve Albini aufgenommen – entfalten in Kombination mit den choralen Momenten eine enorme emotionale Wucht. Sie wirken weit, offen, vieldeutig und lassen dem Hörer Raum für eigene Assoziationen. Diese Offenheit prägt das gesamte Album. „Georgia“ bewegt sich über weite Strecken hinweg zwischen mythischer Erhabenheit und bedrückender Schwere. Je nach eigener Stimmungslage erscheinen die Stücke von THE LIGHT BELOW und Akhla mal hoffnungsvoll und lichtdurchflutet, mal düster, erdig und beinahe ausweglos. Die monolithische Härte vieler Passagen trägt wesentlich zu dieser Ambivalenz bei, während die weltmusikalischen Einflüsse – insbesondere die traditionellen Gesänge – eine spirituelle, naturverbundene und beinahe rituelle Komponente einbringen. Gerade das Zusammenspiel von Tradition und Moderne macht den besonderen Reiz des Albums aus. Die Berliner Musiker und der georgische Frauenchor begegnen einander auf Augenhöhe, verweben ihre jeweiligen Ausdrucksformen zu einem organischen Ganzen und schaffen so ein Werk, das gleichermaßen herausfordert wie verzaubert. „Georgia“ bleibt über die gesamte Spielzeit hinweg spannend, intensiv und atmosphärisch fesselnd.
(My Proud Mountain/Cargo)
