VICTIM – Nuclear Nightmare

Schon bevor man das zweite Album der Thüringer Band überhaupt anspielt, ist klar, wohin die Reise geht: Dieses Trio lebt und atmet Thrash Metal. Und genau das liefern VICTIM – kompromisslos, direkt und ohne jeden Versuch, ihre musikalische DNA zu verschleiern. Band-Logo, Artwork, Songtitel: Alles schreit förmlich nach einem tief verwurzelten Bekenntnis zum Genre. Doch statt sich dafür zu entschuldigen, tragen VICTIM diesen Stil mit sichtbarem und hörbarem Stolz vor sich her. Dieser Stolz – gepaart mit einer spürbaren Überzeugungskraft – prägt die gesamte Wirkung von „Nuclear Nightmare“. Das Zweitwerk der Gruppe ist ein starkes Genre-Release. Dass die Band dabei nicht den Anspruch erhebt, das Rad neu zu erfinden, ist kein Makel, sondern eine bewusste Entscheidung. Eigenständigkeit ist im klassischen Thrash-Kontext ohnehin ein relativer Begriff. Viel wichtiger ist, wie konsequent man die eigenen Einflüsse verdichtet, zuspitzt und in eine Form gießt, die authentisch wirkt. Und genau das gelingt VICTIM. Die Orientierung an den Thrash-Big Four ist unüberhörbar, aber sie wird nicht bloß imitiert, sondern mit handwerklichem Können, kompositorischem Anspruch und spürbarer Spielfreude weitergetragen. „Nuclear Nightmare“ bietet acht Tracks, die genau das tun, was Thrash Metal tun soll: unterhalten, antreiben, den Kopf in Bewegung versetzen. Die Songs sind kompakt, druckvoll und voller Energie. Riffs, die sofort zünden, Drums, die nach vorne preschen, Vocals, die zwischen Schärfe und Klarheit pendeln – VICTIM wissen, wie man Hooklines schreibt, die hängen bleiben, ohne sich anzubiedern. Ein weiterer Pluspunkt ist die gesellschaftspolitische Haltung, die sich in vielen Texten widerspiegelt. VICTIM positionieren sich klar, ohne platt zu wirken, und verleihen ihrem Sound damit eine zusätzliche Ebene. Man spürt, dass hier keine Newcomer am Werk sind, sondern Musiker, die genau wissen, was sie tun und warum sie es tun. Am Ende bleibt der Eindruck einer Band, die ihren Weg gefunden hat und ihn auf „Nuclear Nightmare“ mit Leidenschaft, Intensität und einer ordentlichen Portion Attitüde weitergeht.

(Eigenrelease/victim666.bandcamp.com)