DIRTY SOUND MAGNET – Me And My Shadow

Der fünfte Longplayer des Schweizer Dreiergespanns zeigt die Band in einer Form, die deutlich überzeugender wirkt als auf dem Vorgänger. Der Nachfolger des 2023 erschienenen „Dreaming In Dystopia“ besitzt spürbar mehr Zugkraft, mehr Dynamik und etwas weniger von jener schwerelosen, beinahe benebelten Atmosphäre, die das letzte Werk über Gebühr prägte. Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 machen DIRTY SOUND MAGNET unbeirrt das, was sie wollen – und genau das ist ihre größte Stärke. Der Blick richtet sich kompromisslos nach innen, auf die eigenen Impulse, Stimmungen und Interessen. Diese Haltung ist essenziell, denn das Trio zelebriert Rock ohne Rücksicht auf Trends oder Erwartungen. Ihr stilistisches Spektrum bleibt beeindruckend breit: Classic Rock, Psychedelic, Blues und Stoner bilden das Fundament, doch auch esoterische und spirituelle Klangfarben fließen selbstverständlich ein. DIRTY SOUND MAGNET denken Musik als offenen Raum, in dem Grenzen eher Inspiration als Einschränkung sind. Trotz dieser Freiheit wirkt „Me And My Shadow“ keineswegs wie ein loses Happening. Das Album besitzt Struktur, Entwicklung und eine klare innere Dramaturgie – zumindest über weite Strecken. Viele Passagen stechen durch markante Motive, starke Hooks oder atmosphärische Wendungen hervor und bleiben unmittelbar im Gedächtnis. Dem gegenüber stehen Momente, die wie Anrufungs- oder Segenszeremonien anmuten – rituelle, tranceartige Sequenzen, die den großen Kapiteln der Rock-Geschichte huldigen und sich bis in entrückt-verzückte Exzesse steigern. Genau diese Mischung aus kontrollierter Energie und bewusstem Loslassen macht den Reiz des Albums aus. So kennt man DIRTY SOUND MAGNET: intensiv, eigenwillig, mitreißend. Und doch entfaltet dieses Material live erfahrungsgemäß eine noch größere Wucht – roher, unmittelbarer, hypnotischer als auf Platte. „Me And My Shadow“ ist damit nicht nur ein starkes Studio-Album, sondern auch ein Versprechen für die Bühne.

(Tonzonen)