NOTHING – A Short History Of Decay

Von diesem Outlet ist keine Musik für Frohnaturen zu erwarten. Und doch blitzen auf dem fünften Werk von NOTHING aus Philadelphia, Pennsylvania immer wieder Momente latenter Schönheit auf. Mastermind Domenic „Nicky“ Palermo, der das Projekt einst als Solo-Outlet ins Leben rief und seither mit wechselnden Mitstreitern arbeitet, erweitert den Sound-Kosmos auch diesmal um Streicher und Harfe. Diese ungewohnten Akzente verleihen dem Album zusätzliche Tiefe und erzeugen faszinierende, teils schwebende Stimmungsbilder, die so gar nicht zum Rest des Gebotenen zu passen scheinen. Musikalisch bleibt NOTHING weiterhin in jener charakteristischen Grauzone zwischen Shoegaze, Post-Punk, Indie-Rock und Grunge verortet. Doch auf dem vielsagend betitelten „A Short History Of Decay“ gewinnt vor allem der Industrial-Einschlag an Bedeutung. Die harschen, maschinellen Elemente reiben sich bewusst an den melodischen Passagen und verstärken das Gefühl existenzieller Unruhe, das die Band seit jeher begleitet. Neben Palermo prägen die Gitarristen Doyle Martin (Cloakroom) und Cam Smith (Ladder To God, ebenfalls Cloakroom), Bassist Bobb Bruno (Best Coast) und Schlagzeuger Zachary Jones (MSC, Manslaughter 777) das Klangbild. Die Arbeit mit gleich drei Gitarren eröffnet zusätzliche Ebenen, lässt Feedback-Flächen dichter werden und intensiviert das nervöse Flirren, das NOTHINGs Musik so unverwechselbar macht. Neben dem eindringlichen Titel-Stück ragt besonders ,Cannibal World‘ hervor. Der Song richtet den Blick auf eine Gesellschaft, die sich selbst verschlingt, und auf die psychischen Spuren, die dieses Umfeld beim Einzelnen hinterlässt. Der Grundton bleibt auch auf dem übrigen Album entsprechend düster, pessimistisch und von einer tief sitzenden Desillusionierung geprägt. Die nach innen gerichteten Shoegaze-Sounds verstärken diesen Eindruck: Sie wirken nicht tröstend oder nostalgisch, sondern eher verstörend, bedrückend und emotional zermürbend. „A Short History Of Decay“ ist damit ein Werk, das sich konsequent weigert, Hoffnung zu simulieren. Stattdessen entfaltet es eine schonungslose, aber künstlerisch beeindruckende Klangwelt der Schatten.

(Run For Cover)