POISON THE WELL – Peace In Place

Ihre wichtigste Referenz-Platte haben die Musiker aus Florida gleich mit ihrem Debüt vorgelegt. Das Ende 1999 erschienene „The Opposite Of December… A Season Of Separation“ gilt völlig zurecht als wegweisendes Werk des frühen MetalCore und besitzt bis heute eine ungebrochene Strahlkraft. Kaum ein Album der Ära verband rohe Emotionalität, melodische Sensibilität und Hardcore-Wucht so zwingend. Auch der Nachfolger „Tear From The Red“ wurde nahezu durchgehend positiv aufgenommen und festigte den Ruf von POISON THE WELL als eine der prägendsten Bands ihres Genres. Mit den folgenden Veröffentlichungen jedoch gingen die Meinungen zunehmend auseinander. Zahlreiche Besetzungswechsel erschwerten eine kontinuierliche Entwicklung, dazu kamen stilistische Experimente, die geteilt aufgenommen worden sind. Während einige Fans die mutigen, atmosphärisch dichten Ansätze feierten, sehnten sich andere nach der kompromisslosen Direktheit der Anfangstage. Nach einer längeren Phase der Inaktivität kehrte die Gruppe erst in den Jahren nach 2020 wieder regelmäßiger auf die Bühne zurück. Die Live-Reunion weckte Hoffnungen auf neues Material, doch bis zum Nachfolger des 2009 erschienenen „The Tropic Rot“ sollte es noch einmal dauern. Nun liegt mit „Peace In Place“ das sechste Studio-Album der Formation vor. Es ist ein Werk, das sich stilistisch zwischen Post-Hardcore und MetalCore bewegt und genau jene Elemente aufgreift, die den legendären Status von POISON THE WELL begründet haben. Frontmann Jeffrey Moreira und seine Mitstreiter wissen um ihre Trademarks: die Mischung aus kathartischer Intensität, melodischer Tiefe und emotionaler Offenheit. All das findet sich auch 2026 wieder, wenn auch ohne den Innovationsschub, den die frühen Alben einst auslösten. Doch „Peace In Place“ lebt von einer anderen Qualität, einer dringlichen Emotionalität, einer greifbaren Verzweiflung, die sich durch die Songs zieht und die Band trotz aller stilistischen Reife wieder unmittelbar wirken lässt. Innovativ im klassischen Sinne mag das Album nicht sein, aber es ist authentisch und voller jener existenziellen Wucht, die POISON THE WELL seit jeher auszeichnet. Und genau das macht „Peace In Place“ zu einem späten, aber eindrucksvollen Lebenszeichen einer Band, die nie wirklich verschwunden war, sondern nur darauf wartete, wieder gehört zu werden.

(SharpTone)