Der Titel und die Atmosphäre des neuen CONVERGE-Albums vermitteln ohne Umschweife eine Mischung aus Resignation, Ernüchterung und einer fast schon existenziellen Müdigkeit. Doch unter dieser Oberfläche brodelt etwas anderes: eine enorme Kampfeslust, ein ungebändigter Wille, weiterzumachen, anzuecken und zu explodieren. „Love Is Not Enough“ ist ein insgesamt schnörkelloses Album, das seine Wucht nicht hinter Konzepten oder Komplexität versteckt, sondern direkt, roh und unvermittelt auf den Punkt bringt. Blendet man die 2021 erschienene Kollaboration mit Chelsea Wolfe, „Bloodmoon: I“, aus, liegt es nahe, das neue Werk mit „The Dusk In Us“ (2017) und dem noch älteren „All We Love We Leave Behind“ zu vergleichen. Und genau hier zeigt sich, wie deutlich CONVERGE ihre Energie neu bündeln. Das Bostoner Quartett agiert straffer, eruptiver und im besten Sinne zügellos. Wo der Vorgänger noch zugänglicher und melodischer ausfiel, setzt Album Nummer elf wieder stärker auf Frontalangriff, Druck und unmittelbare physische Präsenz, ohne dabei auf Abwechslung oder dynamische Spannungsbögen zu verzichten. Auffällig sind zudem jene Momente, in denen CONVERGE mit ungewöhnlichen, teils widersprüchlich wirkenden Sounds spielen. Diese Brüche verleihen dem Album eine zusätzliche Tiefe und spiegeln zugleich die Unruhe und Spontaneität seiner Entstehungszeit wider. „Love Is Not Enough“ wirkt dadurch wie ein musikalisches Dokument eines Moments, in dem nichts wirklich stabil ist. Und genau daraus bezieht es seine Kraft. Frontmann Jacob Bannon, Gitarrist Kurt Ballou, Bassist Nate Newton und Schlagzeuger Ben Koller zeigen einmal mehr, wie präzise sie ihre Hörerschaft packen und immer wieder neu herausfordern. Ballous Produktion in den God City Studios in Salem, Massachusetts sorgt dafür, dass CONVERGE so unverfälscht, unmittelbar und charakteristisch klingen wie nur möglich. Das Ergebnis ist ein Werk, das kompromisslos wirkt, aber nie stumpf; das wütet, aber nicht blind; das reduziert ist, aber voller Leben.
(Epitaph/Indigo)
