Auf „Death Fetish“ verarbeitet Frontmann Hunter Young einen tiefgreifenden Einschnitt, der sein Leben von einem Tag auf den anderen aus der Bahn geworfen hat. Eine unerwartete medizinische Diagnose zwang ihn dazu, sein Leben und sämtliche Aktivitäten abrupt zu beenden. Seither ist er größtenteils ans Bett gefesselt und mit einer äußerst belastenden Prognose konfrontiert. Eine Situation, die kaum auszuhalten ist und die seine künstlerische Arbeit bis ins Mark erschüttert hat. Vor diesem Hintergrund wirkt seine Beschreibung des Albums als „Grabrede auf den Menschen, der ich einmal war“ nur folgerichtig. Umso bemerkenswerter ist jedoch, dass die Stücke der Platte nicht in völliger Dunkelheit versinken. Statt Resignation oder Verbitterung dominiert eine Haltung, die von Widerstandskraft und ungebrochenem Ausdruckswillen geprägt ist. Hunter, auch Teil von PSYCHO-FRAME, verwandelt seine innere Zerrissenheit in Musik, die zugleich verletzlich und entschlossen wirkt und einen ungeschönten Blick in eine Psyche gewehrt, die kämpft, reflektiert und sich nicht aufgibt. MOODRING bleiben ihrem Mix aus NuMetal-, Alternative- und Industrial-Elementen treu, doch „Death Fetish“ trägt eine neue emotionale Schwere in sich. Die Kombination aus massiven, düsteren Klangflächen und überraschend melodischen Refrains erzeugt eine Spannung, die sofort fesselt. Viele Passagen entfalten gerade im Wissen um die Entstehungsumstände eine zusätzliche Intensität: Man spürt, wie Verzweiflung, Wut, Nachdenklichkeit und ein Rest Hoffnung ineinandergreifen und ein vielschichtiges Gesamtbild formen. So wird „Death Fetish“ weit mehr als nur das nächste Kapitel im Schaffen von MOODRING. Es ist ein Album, das den Überlebenswillen seines Schöpfers dokumentiert und dessen Kraft vor allem dann voll zur Geltung kommt, wenn man die komplexe Realität dahinter mitdenkt. Die Songs wirken wie ein Ventil, ein Ausdrucksmittel und ein Beweis dafür, dass radikale Kreativität selbst in den dunkelsten Momenten nicht verstummt.
(SharpTone)
