RADIO CYANIDE – Frogs

„Frogs“, das 38-minütige, in Eigenregie veröffentlichte Debüt von RADIO CYANIDE, markiert den Vollzeit-Einstand eines Quartetts aus Groningen, das mit seiner langen Liste an Vorgängerprojekten – von Seizure, Them Apples und Phonque über Katafalk, Massive Assault und Entrapment bis hin zu Skroetbalg, Moan, Karbo oder HoppaH! – eine beeindruckende musikalische Vorgeschichte mitbringt. Diese Erfahrung hört man den 14 Tracks des Albums durchaus an. Die Band verortet sich selbst im progressiven Punk-Hardcore, kommt politisch motiviert daher und gibt sich in den Text gesellschaftskritisch. Immer dann, wenn RADIO CYANIDE das direkte Tempo suchen, entfaltet „Frogs“ spürbaren Druck. Die schnellen, kompromisslosen Passagen transportieren die Wut und Überzeugungen der niederländischen Gruppe am überzeugendsten. Auch die Vocals tragen dazu bei. Der mitunter pathetische Vortrag erinnert an die Dead Kennedys und streckenweise an die Sex Pistols, was dem Album eine gewisse ikonische Schärfe verleiht und es klar im historischen Punk-Spektrum verortet. Doch so ambitioniert der Ansatz ist, so deutlich zeigen sich auch die Schwächen. Die progressiven Ausschweifungen, die das Album eigentlich aus der Masse heben sollen, berauben viele Songs ihrer Spannung. Immer wieder wirken diese Passagen wie lose Ideen, die nicht stringent zu Ende gedacht wurden, wodurch einzelne Stücke eher vor sich hinplätschern als eskalieren. Hinzu kommt eine spürbare Verkopftheit: RADIO CYANIDE denken hörbar viel über ihre Musik nach; manchmal zu viel. Diese intellektuelle Schwere steht dem rohen, unmittelbaren Charakter des Punk-Hardcore im Weg und verhindert, dass sich die emotionale Wucht der Songs vollständig entfalten kann. So wird zwar klar, worauf die Band aus ist, doch der Funke springt nicht durchgehend über.

(Eigenrelease/radiocyanide.bandcamp.com)