HUNDREDS haben sich in den vergangenen 15 Jahren von einem kleinen Studio in einer alten Erfurter Eisenfabrik zu einer festen Größe im elektronisch-orchestralen Art-Pop entwickelt. Heute arbeitet das Hamburger Trio auf einem Bauernhof im Wendland, wo es fernab großstädtischen Trubels Musik erschafft, die sich Trends entzieht und dennoch im Jetzt verankert ist. Mit ihrem
fünften Studioalbum Sirens öffnet die Gruppe eine mythisch aufgeladene Klangwelt voller Tiefsee-Symbole, Gestaltwandler und innerer Landschaften.
Die Vorfreude, neues Material zu veröffentlichen, ist riesig: „Es ist ein anderes Kribbeln als früher, aber kribbeln tut es trotzdem. Man kennt sein Publikum, man freut sich auf die Tour, man hat auch etwas Angst, ob alles glatt gehen wird. Beim ersten Album war all das noch nicht da. Jetzt freuen wir uns auf unser HUNDREDS-Publikum und denken an dieses auch beim Schreiben. Ohne Kribbeln könnte man sich einen neuen Job suchen.“ Nach Jahren, in denen sich die Band intensiv mit globalen Krisen, gesellschaftlichen Spannungen und menschlicher Zerstörungskraft auseinandergesetzt hat, entstand mit Sirens nun ein Werk, das bewusst in eine andere Welt führt: „Nachdem wir uns auf den vorherigen Alben sehr intensiv mit der Lage der Welt beschäftigt haben – mit Weltschmerz, der Endphase des Kapitalismus, unsagbaren Grausamkeiten, sinnlosen Kriegen, dem Leid der Geflüchteten, sich verhärtenden Fronten und dem Menschen als Zerstörer seiner eigenen Lebensgrundlage –, blieb uns angesichts der aktuellen Situation fast nichts anderes übrig, als eine Parallelwelt zu öffnen. Eine Welt, in der Fantasie, Mythen und kindliche
Bilder Raum bekommen. Nicht als Flucht, sondern als Gegenentwurf. Insgesamt geht es uns darum, Hoffnung anzubieten, und vielleicht auch selbst wieder an sie zu glauben.“
Der Album-Titel selbst trägt dabei eine doppelte Bedeutung zwischen Verlockung und Gefahr: „Mit Sirens meinen wir zum einen die Sirenen aus der griechischen Mythologie, gleichzeitig aber auch die echten Sirenen, die wir hören, wenn etwas Schlimmes passiert. Diese Ambivalenz ist für uns ein zentrales Bild des Albums.“ Viele Songs öffnen Räume zwischen Realität und Märchen, Gegenwart und Erinnerung. Im Schreibprozess folgten HUNDREDS einem intuitiven Zugang: „Das Fühlen darf nicht vernachlässigt werden, das ist unser roter Faden. Philipp nennt es „aus dem Rückenmark schreiben“ – eher wie verschwommene Erinnerungen oder Fragmente davon, als klare Aussagen.“ Die Umgebung im Wendland prägt die Musik dabei spürbar: „Schon seit unserem
ersten Album arbeiten wir nicht mehr in der Stadt. Wir sind absolute Naturmenschen, die das Lebendige nicht in der Stadt, sondern in den Bäumen finden.“
Dass sich das Dreiergespann nicht von Trends treiben lässt, erklärt es mit einer inneren Haltung: „Wir versuchen gar nicht, relevant zu sein, sondern wollen ehrlich sein. Zeitlosigkeit entsteht für uns nicht durch Stil, sondern Haltung.“ Die lange Entstehungszeit von Sirens hat die Songs wachsen lassen: „Meistens braucht die Arbeit an dem Song so lange, weil er noch nicht auf dem Stand ist, wo wir ihn haben wollen. Spontane Impulse verwandeln sich mit der Zeit in größere, vielschichtigere Welten.“ Gsellschaftliche und ökologische Themen bleiben Teil der Kunst von HUNDREDS, jedoch subtil: „Wir erklären diese Themen nicht, machen sie stattdessen fühlbar. Dringlichkeit entsteht für uns nicht durch klare Botschaften, sondern durch Atmosphäre.“
Photo credit: J Konrad Schmidt
