GRANDMA’S AHES – Bruxism

„Bruxism“ bezeichnet das unwillkürliche Zähneknirschen, meist im Schlaf, aber auch im wachen Zustand. Es ist ein Phänomen, das sinnbildlich für die zunehmenden Belastungen unserer Zeit steht. In einer Gesellschaft, die immer stärker mit mentalen Problemen, Überforderung und Einsamkeit ringt, wirkt die Entscheidung, ein Album danach zu benennen, nicht nur nachvollziehbar, sondern geradezu programmatisch. GRANDMA’S ASHES greifen diese Spannungen auf und verwandeln sie in Musik, die sowohl persönlich als auch gesellschaftlich resonieren. Die drei Musikerinnen aus Paris begegnen dem beschwerlichen Alltag gemeinsam und verarbeiten seine Herausforderungen in zehn Songs, die zwischen Wut, Verletzlichkeit und kämpferischer Energie pendeln. Als zweites Werk des Trios zeigt das Album eine deutliche Weiterentwicklung auf. Die Band setzt ihren Ansatz klarer um, wirkt gefestigter und selbstbewusster. Musikalisch entsteht eine dichte Mischung aus New Wave, Grunge und Gothic Rock, die durch ein spürbar vorwärtsgerichtetes Momentum zusammengehalten wird. Die Songs wirken entschlossener, direkter und zugleich atmosphärisch komplexer. Die Zusammenarbeit mit Produzent Jesse Gander erweist sich als ideal, denn er versteht es, die rohe Intensität der Band einzufangen und gleichzeitig ihre melodischen Feinheiten zu betonen. Ähnlich wie bei seiner Arbeit mit Brutus, die ebenfalls von emotionaler Wucht und klanglicher Präzision lebt. Inhaltlich und musikalisch sucht „Bruxism“ einen Mittelweg zwischen aufrüttelnder Konfrontation und tröstender Bestätigung. Gleichzeitig vermitteln die Songs eine Form von Stärke, die nicht aus Unverwundbarkeit entsteht, sondern aus dem Mut, Verletzlichkeit zu zeigen. Die Musik verstärkt diesen Eindruck.

(Verychords/Season Of Mist)