THE BOBBY LEES – New Self

Die Selbstschutzpause ist vorbei: THE BOBBY LEES melden sich mit ihrem vierten Longplayer und zugleich ihrem Epitaph-Einstand zurück. Die Gruppe aus Woodstock, New York, zeigt sich dabei ebenso konsequent in ihren Arbeitsbedingungen wie in ihrer musikalischen Ausrichtung. Nachdem der Druck des ständigen Tourens und der ökonomischen Realität der Musikbranche zu groß geworden war, zogen Sängerin und Gitarristin Sam Quartin, Schlagzeuger Macky Bowman und Bassistin Kendall Wind die Reißleine; ein notwendiger Schritt, um sich selbst nicht zu verlieren. Diese Phase der Reflexion, Reife und Selbstbestimmung prägt das gesamte Comeback, ohne dass THE BOBBY LEES ihren Stil grundlegend verändern würden. Gerade diese Mischung aus persönlicher Klarheit und musikalischer Ungezähmtheit macht „New Self“ so stark. Das Cover von PJ HARVEYs ,50 Ft Queenie‘ fügt sich perfekt in den Kontext ein: roh, kantig, selbstbewusst und mit jener unberechenbaren Energie, die die Band seit ihren frühen Tagen auszeichnet. Das Trio aus Woodstock tut weiterhin genau das, wonach ihm ist, und zeigt dabei mehr Kante denn je. Die Emotionen sitzen offen, oft ungeschönt, und entfalten im gelegentlich eingesetzten Sprechgesang eine noch direktere Wirkung. „New Self“ ist eine beeindruckende Platte, die den Weg der US-Band zwischen Garage, Rock’n’Roll und bluesigem Punk konsequent weitergeht. Die Songs wirken zugleich freier und fokussierter, bleiben aber roh, kompromisslos und voller Charakter. Es ist so, als hätte die Pause der Band nicht nur Kraft zurückgegeben, sondern auch eine neue innere Ordnung geschaffen. THE BOBBY LEES klingen hier wie eine Gruppe, die sich neu zusammengesetzt hat, ohne ihre ursprüngliche Wildheit einzubüßen. „New Self“ ist genau das, was der Titel verspricht: ein Neustart, der nicht auf Distanz geht, sondern tiefer hineinführt in das, was das Dreiergespann schon immer ausgemacht hat.

(Epitaph/Indigo)