LOATHE – A Stranger To You

Ob der Titel darauf anspielt, dass sich die Briten veröffentlichungsseitig zuletzt rar gemacht haben? Möglich. Gleichzeitig waren LOATHE in den sechs Jahren seit dem Erscheinen von „I Let It In And It Took Everything“ keineswegs von der Bildfläche verschwunden. Ihre Live-Aktivitäten waren zu präsent, um in Vergessenheit zu geraten. Das Quartett aus Liverpool hat seine Karriere ohnehin stets nach eigenen Maßstäben und Regeln gestaltet. Im echten Leben wirken die Musiker ebenso kompromisslos und unberechenbar wie im kreativen Bereich. „A Stranger To You“ entpuppt sich folgerichtig als jene musikalische Wundertüte, auf die man gehofft hat. Die stilistische Breite ist weiter gewachsen, zumindest aber der kompositorische Überraschungswert deutlich gestiegen. Selbst wenn R&B-, Psychedelic- oder Shoegaze-Momente aufblitzen, wirkt LOATHEs Spiel nie wirklich unbeschwert. Diese Akzente – zusammen mit melodischen und elektronisch-flächigen Elementen – verleihen dem Album jedoch mehr Bedeutungsrahmen und Struktur, ohne die Variabilität infrage zu stellen. Das erleichtert es der Hörerschaft, dem progressiven Sturm der Briten zu folgen. Gleichzeitig relativiert es kurzzeitig die Radikalität und Härte der Songs, die dadurch im entscheidenden Moment umso heftiger durchschlagen. Spätestens mit ,Revenant‘, dem Feature-Track mit Jami Morgan (CODE ORANGE, NOWHERE2RUN), zeigt sich, wie konsequent LOATHE die Entstehungszeit ihres neuen Longplayers genutzt haben. „A Stranger To You“ schlägt noch weniger antizipierbar und noch eigenständiger zurück. Das gilt es beim Blick auf „A Stranger To You“ neidlos anzuerkennen.

(SharpTone)