IMMISERATOR ist kein Projekt, das man beiläufig konsumiert. Das Debüt „Blight Of Subsistence“ ist die akustische Bestandsaufnahme einer Welt im Zerfall. Es ist ein Werk, das industriellen Niedergang, ökologische Verwüstung und kapitalistische Endzeitstimmung in einen einzigen, dissonanten Alarmzustand gießt. Harrison McKenzie richtet hier den Blick radikal auf die
Gegenwart: auf Stress, Wut, Angst und die nüchterne Erkenntnis, dass die Menschheit ihrem selbstverschuldeten Untergang entgegensteuert.
Seinen Antrieb beschreibt der Neuseeländer so: „IMMISERATOR habe ich als Nebenprojekt zu meiner Hauptband Olde Throne gestartet, das thematisch auf keltische Geschichte und Folklore ausgerichtet ist. Das lässt mir keinen Raum, Texte zu schreiben, in denen ich mich zu anderen Themen äußern kann, oder zu groß zu experimentieren. IMMISERATOR ist für mich ein Ventil, um meinen Ekel über den verwilderten Zustand der Welt auszudrücken.“ Die Songs des Projekts klingen dissonant, schroff und unvorhersehbar: „Aufgrund ihrer seltsamen und ungewöhnlichen Natur lässt sich die Musik am besten als „esoterisch“ beschreiben“, erwidert Harrison. „Das Wort dissonant ist kompliziert, denn da denke ich eher an
Bands wie Deathspell Omega und habe nicht das Gefühl, dieses Level an Dissonanz erreicht zu haben. Das Album sollen Hörer jedoch als stressig empfinden sein, denn es spiegelt wider, wie ich über alles in der Welt denke. Und das habe ich geschafft.“
Das in jeder Hinsicht düstere Bild, das „Blight Of Subsistence“ zeichnet, ist kein rein künstlerischer Effekt: „Es ist eine vollkommen persönliche pessimistische Weltanschauung“, betont der Künstler. „Die Welt wird ein immer schlechterer Ort zum Leben, kein besserer. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst täglich. Regierungskorruption ist allgegenwärtig. Die Lust auf Spaltung und Rassismus ist groß, und das wird von schlechten Akteuren manipuliert, um Macht zu erlangen und sich weiter zu bereichern.“ Die Titel der Songs folgen dieser thematischen Linie: „Sie sind alle durch die Linse des ungezügelten Kapitalismus miteinander verbunden“, erklärt Harrison. „,Engine Of Collapse‘ handelt vom Glauben, dass Wachstum die wichtigste Errungenschaft einer Zivilisation sei und die Zahnräder am Laufen zu
halten, bis der Boden unter ihnen verschwindet. ,An Economy Of Ash‘ thematisiert die Profite des Krieges, und ,Inevitable Destiny‘ entspringt der Ansicht, dass wir unweigerlich auf einen nuklearen Krieg zusteuern, der fast alles Leben auf dem Planeten auslöschen wird.“
Strukturell folgt IMMISERATOR ebenfalls einer deutlichen ästhetischen Logik und sich langsam entfaltender Kompositionen: „Ich mochte schon immer Songs, die sich wie eine Reise anfühlen“, sagt der Neuseeländer. „Besonders wenn sie schwer oder schnell oder beides beginnen, sich zu einer melodischen Passage in der Mitte entwickeln und dann in einem langen, ausgedehnten Finale enden. Beim Titelsong wollte ich dieses lange Synth-Ambience haben, das einen in Gedanken
verliert, bevor der Metal-Teil für einen letzten Schlag zurückkehrt und das Album endet.“ Was die Positionierung anbelangt, antwortet Harrison über Bande:
„IMMISERATOR ist definitiv anders. Welchem Sub-Genre ich es zuordnen soll, weiß ich nicht. Es hat Death Metal-artige schwere Riffs, elektronische Synths, gotischen Clean-Gesang und ein Black Metal-Fundament in roher Produktion. Diese Elemente zusammen erzeugen beim Hörer ein Gefühl von Stress und Angst, ähnlich dem, das man empfindet, wenn man zu lange über die Richtung der menschlichen Zivilisation nachdenkt. IMMISERATOR soll eine Stimme für all jene sein, die ihre Aggression über den Zustand der Welt herauslassen müssen.“
