HELD.

HELD. sind ein Trio erfahrener Musiker, die seit Jahren im Spannungsfeld von Post-Hardcore, Prog-, Avantgarde- und Alternative-Rock neue Akzente setzen. Sänger und Gitarrist Douglas Robinson und Bassist Sal Mignano – beide bekannt durch The Sleeping – sowie Coheed And Cambria-Schlagzeuger Josh Eppard bündeln ihre individuellen Stärken zu einem Sound, der weit größer wirkt, als es die Besetzung vermuten lässt. Ihr Debüt „Grey“ präsentiert eine Band, die energetisch, verspielt und zugleich hymnisch auftritt. Es ist ein mitreißendes Album, das Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertrifft.

Die Gründung von HELD. beschreibt Frontmann Douglas als spontane Fügung: „Eines Tages rief mich Sal an, den ich seit 20 Jahren kenne, und sagte: ‚Alter, wir sollten eine Band gründen.‘ Er wollte, dass ich Gitarre spiele, und sofort dachten wir an Josh, den wir von gemeinsamen Touren kennen. Unsere Produzenten haben zudem mehrere Coheed-Platten gemacht, und wir stammen alle aus derselben Woodstock-New-York-Welt. Es fühlte sich sofort richtig an. Wir fragten Josh und er sagte einfach ‚Ja‘. Es war Schicksal und gleichzeitig total unkompliziert.“ Dass HELD. ein Dreiergespann geblieben sind, ist eine bewusste Entscheidung: „Wir haben darüber gesprochen, jemanden dazuzuholen, aber ich mag die Herausforderung, zu dritt zu spielen. Beim Proben wurde uns klar, wie technisch anspruchsvoll das Album ist. Die Leute werden überrascht sein, dass wir das alles zu dritt umsetzen. Für mich ist es eine große Herausforderung, gleichzeitig zu singen und Gitarre zu spielen. Gerade deshalb sagen wir: Lass uns niemanden dazuholen. Es ist cool, dass wir diese Nuancen in dieser Besetzung erzeugen können. Vielleicht holen wir mal jemanden für eine Show dazu, aber im Moment fühlt es sich perfekt an. Und ehrlich: Keine andere Dreierband klingt wie wir.“

Auch mögliche Ausnahmen für Auftritte werden sorgfältig abgewogen: „Wir schauen uns das von Fall zu Fall an. Live könnten Gastmusiker dazukommen. Auf dem Album haben wir zwei Gast-Sänger, und ich bin gespannt, wer diese Parts auf Tour übernimmt. Bei The Sleeping haben wir so etwas nie gemacht. Jetzt ist es spannend, andere Leute einzubeziehen – musikalisch wie live.“ Obwohl zwei der drei Mitglieder weiterhin bei The Sleeping aktiv sind, war der Wunsch nach einem neuen Projekt ungebrochen: „The Sleeping funktioniert komplett anders. Wir sind zu viert, alles ist demokratisch, jede Entscheidung wird gemeinsam getroffen – seit über zwanzig Jahren. HELD. ist etwas anderes. Und „Grey“ ist meine erste richtige Gitarren-Platte. Sal, Josh und ich wollten etwas Neues ausprobieren, das sich frisch anfühlt. Wir ticken ähnlich und treffen viele Entscheidungen intuitiv gemeinsam.“ Für Douglas bedeutet HELD. auch eine neue persönliche Rolle: „Ich bin in den letzten Jahren gewachsen und genieße es, mich auch um geschäftliche Entscheidungen zu kümmern. Früher war das nie meine Aufgabe. Ich liebe es, eine Band aus dem Nichts aufzubauen. Die Jungs vertrauen mir, und das bedeutet mir viel. Josh ist ein wichtiger Musiker in einer großen Band; sein Vertrauen ist besonders wertvoll. Ich mag den Nervenkitzel, Entscheidungen zu treffen, die uns wirklich weiterbringen.“

Die prominenten Band-Verbindungen, die niemals unerwähnt bleiben, sind dabei Chance und Herausforderung zugleich: „Einerseits hilft es, dass Leute überhaupt auf uns aufmerksam werden. Andererseits entstehen dadurch Erwartungen, die auch hinderlich sein können. Als HELD. hatten wir zunächst keinerlei Reichweite. Im Social Media-Zeitalter bedeutet das, wirklich bei null anzufangen. Wir mussten uns beweisen. Bei unserer Gründung hatten wir zunächst nur ein gemeinsames Wochenende, an dem einige Songs entstanden. Wir haben alles selbst aufgebaut, auch den Label-Deal.“ Trotzdem profitieren alle Projekte voneinander: „The Sleeping wird wieder häufiger erwähnt, weil Sal und ich dort spielen und weil es die Verbindung zu Coheed And Cambria gibt. Wir empfinden das nicht als Druck, sondern als neuen Lebensabschnitt. Wenn wir proben, denken wir nicht über andere Projekte nach. Dann sind wir einfach HELD. Das ist unsere gemeinsame Band und unser Fokus. Und das Coole ist: Coheed und The Sleeping sind Musiker-Bands. Die Fans wissen, dass neue Projekte aus einem authentischen Ort entstehen. Deshalb sind sie neugierig, weil sie wissen, dass es nicht wie etwas klingt, das wir ohnehin schon machen.“

Douglas’ neue Rolle als Gitarrist prägt das Debüt maßgeblich: „Dadurch habe ich jetzt viel mehr Verantwortung. Ich bin jemand, der sehr in seinem eigenen Kopf festhängt und sich selbst unter Druck setzt. Beim gleichzeitigen Singen und Spielen merke ich, worauf ich mich konzentrieren muss und wie ich beides ausbalanciere. Derzeit bin ich noch damit beschäftigt, herauszufinden, was am besten funktioniert, aber ich liebe diese Herausforderung.“ Diese Doppelbelastung ist ein intensiver Lernprozess: „Ich versuche gerade, zwei Dinge, die ich getrennt voneinander gut kann, zu einer Einheit zu verbinden. Das ist ein völlig anderer Muskel, eine neue Energie. Auf mir lastet viel Druck. Vorhin habe ich eine Stunde im Auto gesungen, weil ich noch viel Arbeit vor mir habe, um mich wirklich erfüllt zu fühlen. Manchmal ist es hart, ich zu sein. Nicht aus Mitleid, sondern weil ich immer das Beste geben will.“ Das angesprochene erste gemeinsame Wochenende legte einen guten Grundstein für HELD.: „Dieses Projekt ist tatsächlich seit Jahren in Arbeit. Unser Manager ist vor etwa drei Jahren dazugekommen, insgesamt machen wir das also seit vier Jahren. Damals sind wir mitten im Sommer zu Sal gefahren und haben einfach losgelegt. Wegen voller Terminkalender und Studio-Sessions hat sich alles verzögert. Für die Öffentlichkeit wirkt es viel kürzer. Gestern hatten wir erst unseren dritten gemeinsamen Auftritt überhaupt. Doch wenn man das schon so lange macht, ist es vor allem die Chemie, die einen begeistert. Wir haben Josh schon immer geliebt, ich habe Sal schon immer geliebt. Wir alle haben eine starke Verbindung zueinander. Früher waren wir mit Josh auf Tour und wurden enge Freunde. Jetzt werden wir zu Brüdern. Schon beim ersten Mal hatten wir das Gefühl: ‚Okay, das hier hat echtes Potenzial.‘“

Nach der ersten gemeinsamen Session gingen die Musiker zunächst getrennte Wege: „Nach dieser Session, in der vielleicht sechs Songs entstanden sind, ging jeder zurück in seinen Alltag: The Sleeping gingen auf Tour, Coheed ebenfalls. Aber wir wollten unbedingt weitermachen. Weil Sal und ich mehr freie Zeit hatten als Coheed, haben wir uns in meinem Zimmer eingeschlossen und jeden Tag gespielt. Und ich habe wirklich jeden einzelnen Tag Gitarre geübt. Ich wollte etwas Eigenes schaffen – nicht anders um des Andersseins willen, sondern weil genau das das Spannende an HELD. ist: Ich konnte die Richtung bestimmen.“ Musikalisch brachte Douglas klare Einflüsse ein: „Ich wollte schon immer Songs mit Post-Metal-Elementen schreiben. Isis und Cult Of Luna gehören zu meinen Lieblingsbands. Ich liebe Post-Rock, höre viel japanischen Post-Rock, bin aber auch großer Fan von Maserati aus Athens, Georgia. Diese Elemente wollte ich unbedingt einfließen lassen. Gleichzeitig liebe ich einfach gute Songs.“ Die Kunst bestand darin, diese Einflüsse in kompakte Stücke zu überführen: „Die Herausforderung war: Wie baue ich all diese Elemente ein und schreibe trotzdem Songs, mit denen wir alle zufrieden sind? Ich wollte nicht ankommen und sagen: ‚Hey Leute, hier ist ein 20-Minuten-Song, den ich geil finde.‘ Ich bin Josh, Sal und unserem Produzenten John dankbar, die sagten: ‚Dieser Part ist mega, aber lass ihn nicht acht Minuten dauern. Schaffe es in 30 Sekunden.‘ Diese Balance zu finden, war ein wichtiger Teil des Prozesses. Und es hat mir gezeigt: ‚Oh, die anderen fühlen das genauso.‘ Dadurch konnten wir diese musikalischen Elemente wirklich nutzen, und ich konnte mich voll darauf konzentrieren.“

Die Musik von HELD. wirkt offen, dynamisch und deutlich breiter als es die Post-Hardcore-Verortung vermuten lässt, mit dem die Band häufig beschrieben wird: „Du bist nicht der Erste, der das sagt“, erwidert Douglas. „Als wir die Platte gemacht haben, fühlte sich dieses Label aber passend an für die Welt, in der wir uns bewegen. Ich wollte das Gefühl wiederfinden, das ich hatte, als ich die Musik hörte, mit der ich aufgewachsen bin – Bands wie At The Drive-In oder A Perfect Circle. Natürlich ist Post-Hardcore irgendwo begrenzend, und vielleicht ändern wir das irgendwann. Aber in dem Moment fühlte es sich authentisch an.“ Dass Rock und Hardcore derzeit wieder stärker im Fokus stehen, sieht Douglas als Chance für „Grey“: „Rock kommt zurück, und das ist großartig. Hardcore ist riesig geworden, viel präsenter als früher. Und Rock im Allgemeinen wächst wieder. Ich denke schon, dass wir eine Rock-Band sind, aber mit wirklich coolen, vielfältigen Elementen. Für mich fühlte es sich einfach gut an, etwas zu schaffen, das so klingt, wie ich es als Musikfan hören möchte. Gerade in einer Zeit, in der diese Art von Musik existiert, aber selten klar benannt oder umgesetzt wird. Das soll kein Seitenhieb gegen andere Bands sein. Ich mag auch den aktuellen 1990er-Revival-Sound. Aber wir wollten etwas machen, das zeigt, wer wir sind. Wir sind mit den Neunzigern und frühen 2000ern groß geworden; mit At The Drive-In, Strife und vielen anderen. Also fragten wir uns: Was bedeutet das für uns? Wir sind keine Band, die versucht, wie jemand anderes zu klingen. Wir wollen das machen, was sich für uns richtig anfühlt.“

Douglas schätzt Gruppen, die kompromisslos ihren eigenen Weg gehen. Dieser Ansatz prägt auch das Schaffen von HELD.: „Wenn ich ‚progressiv‘ höre, denke ich an Bands, die klingen, als könnten sie gar nichts anderes sein als sie selbst. Als würden sie Musik machen, um zu überleben. Wenn Musik zu kalkuliert wirkt, verliere ich dieses Gefühl. Ich bin übrigens oft der Typ, der genau das Album liebt, das 90 % der Leute nicht mögen. Meine Freunde lachen darüber. Aber ich sage dann: ‚Vertrau mir, in ein paar Jahren wirst du es verstehen.‘ Ein Beispiel: „Intimacy“ von Bloc Party ist unglaublich experimentell. Sie haben nicht einfach „Silent Alarm“ oder „A Weekend In The City“ wiederholt, sondern etwas völlig Neues gemacht. Das liebe ich. Ich mag Künstler, bei denen man sofort erkennt, wer sie sind – Cult Of Luna, Isis, Deftones, Catherine Wheel, The Anniversary, A Perfect Circle. Es gibt so viele Gruppen, die kompromisslos sie selbst sind. Das ist für mich progressiv.“

Held. (@heldsounds) • Instagram-Fotos und -Videos

Picture credit: Nick Karp