Ein erster Vorgeschmack auf das neue Album ließ bereits Ende 2021 aufhorchen: ,All It Takes‘ erschien damals vorab und kehrt nun in einer klanglich überarbeiteten, druckvolleren Fassung auf dem vierten Longplayer der Australier zurück. Dass der Song erneut einen Platz auf „In Verses“ erhält, zeigt, wie wichtig er der Band aus Perth weiterhin ist. Lässt man die pandemiebedingte Zwangspause außen vor, gehören KARNIVOOL seit Jahren zu den konstant aktivsten Vertretern ihres Genres. Die Band tourt regelmäßig um den Globus, füllt große Hallen und hat sich eine treue, internationale Fangemeinde erspielt. Neues Material ist für ihren Erfolg längst keine zwingende Voraussetzung mehr. Umso erfreulicher ist es, dass das 2013 erschienene „Asymmetry“ nun endlich den lang erwarteten Nachfolger bekommt. „In Verses“ ist ein Album, das nicht nur die Geduld der Fans belohnt, sondern auch die künstlerische Weiterentwicklung der Gruppe eindrucksvoll dokumentiert. Eines bleibt dabei unverändert: KARNIVOOL beherrschen wie kaum eine andere Band den Spagat zwischen Anspruch und Zugänglichkeit. Ihr charakteristischer Mix aus Alternative- und Progressive-Rock eröffnet ein weites Feld an klanglichen Details, rhythmischen Feinheiten und emotionalen Ebenen, die sich erst nach und nach vollständig erschließen. Gleichzeitig besitzen die Songs eine unmittelbare Schönheit, die auch ohne tiefes Eintauchen wirkt. „In Verses“ erfüllt die hohen Erwartungen mühelos. Über rund 63 Minuten agiert die Band selbstbewusst, fokussiert und dennoch verspielt. Die Stücke wirken neugierig, suchend und zugleich präzise ausgearbeitet. Besonders beeindruckend ist erneut die Fähigkeit des Quintetts, komplexe Strukturen und vielschichtige Arrangements so organisch und eingängig zu gestalten, dass sie nie überladen wirken. Dadurch öffnet sich die Musik einem breiteren Publikum, ohne ihre Tiefe oder ihren experimentellen Kern zu verlieren. Wie weit man in diesen facettenreichen Klangkosmos vordringen möchte, bleibt letztlich der Hörerschaft selbst überlassen. Zu entdecken gibt es jedenfalls reichlich.
(InsideOut/Sony)
