WVRM

Um aufzufallen, tragen die aus Greenville, South Carolina stammenden WVRM extrem und giftig auf. Ihr Drittwerk „Colony Collapse“ entwickelt sich zwischen Grindcore und Powerviolence.

„So um den September 2013 herum haben wir begonnen, gemeinsam zu jammen und Songs zu schreiben,“ leitet Frontmann Ian Nix den knappen Abriss des bisherigen Wegs seiner Band ein. „Im Oktober haben wir dann eine EP aufgenommen und sie im Dezember veröffentlicht. Darüber hinaus gab es keinen Plan. All das taten wir nur zum Spaß und um ein wenig Dampf abzulassen. Wir wollten einfach nur schnell blasten und etwas Aggressiv-Kathartisches umsetzen. Ich selbst wollte über Dinge schreiben, die mir schwer auf der Seele lagen. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn unsere Absichten nun geschärft und konzentriert sind.“

Auffällig ist, dass sich die Veröffentlichungen von WVRM – mehrere EPs und Splits sowie jetzt drei Alben – teils deutlich voneinander unterscheiden: „Das ist einer der großen Vorzüge des Grindcore“, freut sich Ian. „Man kann so gut wie alles tun, ohne dass man seine Integrität opfert. Es ist ein ungemein offenes Genre. Wir möchten es bewusst möglichst vielfältig halten, mit einem bisschen ‘was für jeden, aber dennoch in einem schnellen und harten Gesamtpaket. Ich glaube nicht, dass wir uns allzu sehr nach einer anderen Band da draußen anhören. Wie sollte das auch möglich sein? Barney Greenway (Napalm Death) hat einst gesagt, dass Grind sowohl das Schnellste als auch das Langsamste, was man je gehört hat, sein kann. Ich denke, wir nehmen uns diese Philosophie zu Herzen. Wir wollen nicht jedes Mal Dasselbe herausbringen. Unsere Fans haben inzwischen verstanden, dass sie stets etwas bekommen, dass unser Sound ist, das aber auf jeder Veröffentlichung auf eine andere Art und Weise präsentiert wird.“ Das Dasein in einer kleinen DIY-Underground-Szene macht es möglich und bringt die nötige Voraussetzung dafür mit sich, dass die Hörer gewogen bleiben:

„Wenn man eine Band wie diese gründet, ist es anders als bei einer Hardcore- oder Death-Metal-Band“, weiß der Frontmann. „Das sind bereits ziemlich fest definierte Genres mit einer Kultur, die um sie herum aufgebaut ist. Grind und andere Bastard-Genres existieren daneben oder dazwischen. Es gibt definitiv eine Kultur, in die man sich einklinken kann, aber sie ist nicht so einfach zu definieren wie die von Hardcore, Death Metal, Doom, etc. Also findet man sich selbst dabei wieder, die Blast-affinen Leute aus verschiedenen Genres anzuziehen und seine eigene kleine Kultur von Außenseitern aufzubauen. Sie ist klein, aber engagiert. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das oft auch eine regionale Geschichte ist. Wir kommen aus einem sehr ländlichen Teil der USA. Tatsächlich sind wir die einzige Grind-Band in unserem Bundesstaat und es gibt nur wenige andere in der größeren Region. Aus dem tiefen Süden zu kommen, ist in dieser Szene sehr schwierig. Wenn man kulturell so sehr in einer amerikanischen Kleinstadt eingesperrt ist, wird man leicht übersehen. Wir haben nicht den Luxus, in der Nähe der großen Szene einer Großstadt zu sein, in der wir uns positionieren könnten. Wir mussten jahrelang unermüdlich touren und veröffentlichen, um so weit zu kommen und trotzdem der Außenseiter zu bleiben. Aber das ist okay. Es hat uns stärker gemacht. Wir werden auch weiterhin Dreck fressen.“

WVRM sind mit ihrem Status und Verbreitungsgrad zufrieden, bestätigt Ian Nix auf Nachfrage: „Einige Zeiten waren für uns besser als andere, aber es gibt immer jemanden, der bereit ist, bei einer Show oder mit seinem kleinen Label, das Platten herausbringt, zu helfen. Oder eine kleine Druckerei, die hart dafür schuftet, einem Underground-Act zu einem passenden Merch zu verhelfen. Als gute Faustregel hat sich für uns etabliert, immer unser Bestes zu geben und Freunden in Not zu helfen. Dann finden auch wir immer jemanden, der uns hilft, wenn das nötig wird. So funktioniert der Underground, den wir für einen kreativen, blühenden Ort für Außenseiter und ihre Kunst halten. Hier fühlen wir uns gut aufgehoben.“ Das Drittwerk ist für den Frontmann ein repräsentatives Album geworden: „Der einzige wirkliche Unterschied zu den früheren Veröffentlichungen ist, dass wir uns mehr Zeit zum Komponieren genommen haben“, verrät Ian. „Man könnte sagen, der Ansatz ist heute etwas bewusster ausgeführt. Wo wir vor ein paar Jahren noch Song für Song vorgegangen sind und diese später zusammengesetzt haben, sind wir „Colony Collapse“ mit einem definierten Projekt im Hinterkopf angegangen. Unser Spiel ist immer noch sehr instinktiv, jedoch klarer und geschärft. Wir kennen unseren Sound und wissen, was wir vermitteln wollen. Ich liebe das Gefühl, wenn mir die kranken Arschtritt-Riffs einfach so in den Kopf schießen. Das trägt viel zu dem bei, was bei uns passiert.“

Und in Kürze geht bei WVRM Einiges: „Wir touren durch die Gegend und spielen Shows für Leute, die uns und das, was wir machen, noch nie gehört haben. Wir setzen ihnen unsere Blastbeats und unseren Heavy-Scheiß vor. Was unsere Hoffnungen bezüglich „Colony Collapse“ betrifft, sind unsere Erwartungen schon jetzt um Längen übertroffen. Wir stehen kurz davor, mit unseren Helden Napalm Death auf Tournee zu gehen. Ich hätte nie in einer Million Jahre geglaubt, dass uns Kids aus South Carolina das jemals passieren würde. Würde ich gleich nach der Tournee von einem Auto überfahren, könnte ich zufrieden sterben – unter Schmerzen, aber zufrieden.“

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