„Phenotype“ bleibt also doch nicht der letzte Longplayer der Niederländer. Mit „Genotype“ erscheint nun das konzeptionelle Gegenstück zum 2016er Album, nach dessen Veröffentlichung sich TEXTURES zunächst aufgelöst hatten. Das neue Werk ist jedoch weit entfernt von einer bloßen Resteverwertung oder dem Aufpolieren alter Ideen. Vielmehr präsentiert sich die sechsköpfige Formation mit einem kompromisslosen Neustart: komplett neu geschrieben, selbst produziert und mit frischer Energie versehen. Lediglich das Mixing wurde in die erfahrenen Hände von Forrester Savell (Karnivool, Dead Letter Circus) gelegt, was dem Album einen kraftvollen und zugleich transparenten Sound verleiht. Im Labelprogramm von Kscope, wo auch Acts wie TesseracT, The Pineapple Thief, Tangerine Dream und Gong beheimatet sind, finden TEXTURES eine ideale Heimat. Denn wie diese Künstler sind auch die Niederländer stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen, nach musikalischer Weiterentwicklung und nach Offenheit im künstlerischen Deutungsraum. „Genotype“ verkörpert genau diese Haltung: ein Album voller erzählerischer Tiefe, das überraschende Wendungen ebenso integriert wie majestätische Klangflächen und cineastischen Bombast. Natürlich bleibt auch die andere Seite des TEXTURES-Sounds präsent: vertrackte Rhythmen, harte Riffs und komplexe Strukturen, die in Kombination mit atmosphärischen Passagen eindrückliche Kontraste erzeugen. Gerade diese Gegensätze sind seit jeher das Markenzeichen der Band und sie werden hier mit einer Selbstverständlichkeit und Energie ausgespielt, die deutlich macht, dass TEXTURES ihre Stimme und Motivation zurückgewonnen haben. Noch 2018 hatte man sich mit dem Hinweis auf eine gefühlte Irrelevanz und fehlende Einzigartigkeit verabschiedet. Heute hingegen treten die Niederländer mit spürbarer Spielfreude, kreativen Ideen und packenden Kompositionen wieder ins Rampenlicht. „Genotype“ ist ein Werk, das sowohl im Offensichtlichen als auch im Subtilen überzeugt. Es bietet große Gesten und kleine Details, unmittelbare Wirkung und langfristige Tiefe. Es ist ein Album, das mehr Facetten bereithält, als man beim ersten Hören erfassen kann und das gerade deshalb zum wiederholten Eintauchen einlädt. TEXTURES beweisen damit eindrucksvoll, dass ihr Comeback nicht nur eine Rückkehr, sondern eine Weiterentwicklung ist.
(Kscope)
