GAVIAL – Thanks, I Hate It

Mit dem Titel ihres neuen Albums „Thanks, I Hate It“ macht die vierköpfige Band unmissverständlich klar, wie sie zu den gegenwärtigen Irrungen und Wirrungen von Mensch, Gesellschaft und Technologie steht. GAVIAL formulieren ein bewusstes Gegenmodell: Sie reduzieren, entschleunigen und holen sich die Kontrolle über ihr kreatives Schaffen konsequent zurück. Der Nachfolger des Debüts „VOR“ entstand vollständig im Proberaum der Gruppe, deren Mitglieder aus Berlin, Dresden und Leipzig stammen. Diese räumliche und persönliche Nähe prägt den Charakter des Albums spürbar. Frontmann Benjamin Bitter (Gitarre, Gesang) übernahm zusätzlich das Mixing sowie das gesamte Artwork – ein weiterer Ausdruck des DIY-Ansatzes, der GAVIALs Arbeit durchzieht. Musikalisch erwarten Hörerinnen und Hörer hier sechs Tracks, die sich bewusst von Ort und Zeit lösen. Sie entziehen sich Erwartungen, Trends, Hektik und modernen Hörgewohnheiten. Statt Hochglanz und Perfektionismus setzt die Band auf eine rohe, organische Ästhetik. Der Rock-Ansatz des Quartetts schöpft großzügig aus Psychedelic, Stoner und Blues, ohne sich einer dieser Welten vollständig zu unterwerfen. Trotz ihrer Offenheit wirken die Songs nie zufällig oder ziellos. „Thanks, I Hate It“ bleibt stets fokussiert und zeigt eine Band, die genau weiß, wann sie loslassen und wann sie festhalten muss. Die weit auslaufenden Soundscapes laden dazu ein, sich zu verlieren, den eigenen Gedanken Raum zu geben und im Klangkosmos von GAVIAL zu treiben. Physisch erscheint das Album ausschließlich als Vinyl inklusive CD. Als besonderes Highlight findet sich auf den physischen Formaten zum Abschluss eine herrlich entrückte Version des Chris Isaak-Klassikers ,Wicked Game‘, die das Werk atmosphärisch abrundet und GAVIALs Gespür für stimmungsvolle Interpretationen eindrucksvoll unterstreicht.

(Exile On Mainstream)