Auf und mit der neuen Platte von MOODRING verarbeitet Frontmann Hunter Young (auch aktiv bei Psycho-Frame) einen radikalen Einschnitt in seinem bisherigen Leben. Der Musiker aus Florida wurde durch eine unerwartete medizinische Diagnose abrupt aus seinem Alltag gerissen, musste sämtliche Aktivitäten von einem Moment auf den anderen einstellen und sah sich mit äußerst geringen Genesungsaussichten konfrontiert. Bis heute ist er größtenteils ans Bett gebunden. Das ist eine Situation, die man niemandem wünscht und die das Fundament seiner kreativen Arbeit nachhaltig erschüttert hat. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass Young das Album „Death Fetish“ als „Grabrede auf den Menschen, der ich einmal war“ beschreibt. Viel erstaunlicher ist jedoch, dass die Songs nicht in völliger Hoffnungslosigkeit, Bitterkeit oder Resignation versinken. Stattdessen schwingen in ihnen eine bemerkenswerte Widerstandskraft mit und die Haltung eines Künstlers, der sich weigert aufzugeben, der weiterkämpft und der seine innere Zerrissenheit in Kunst verwandelt. Das Album wirkt wie ein offenes Fenster in seine Psyche: roh, verletzlich, aber zugleich entschlossen und voller kreativer Energie. Musikalisch bleiben MOODRING ihrer charakteristischen Mischung aus NuMetal, Alternative und Industrial treu und führen den Düster-Sound fort, den Fans seit Jahren schätzen, der auf „Death Fetish“ eine neue emotionale Tiefe erhält. Die Kombination aus harschen, druckvollen Klangflächen und überraschend eingängigen Refrains erzeugt eine Dynamik, die unmittelbar packt. Gerade in Anbetracht der persönlichen Umstände, die hinter diesen Songs stehen, entfalten viele Passagen eine zusätzliche Wucht. Man spürt, wie sich Verzweiflung, Wut, Reflexion und ein Rest von Hoffnung zu einem intensiven Gesamtbild verweben. So wird „Death Fetish“ nicht nur zu einem weiteren Album von MOODRING, sondern zu einem Dokument des Überlebenswillens und einem Werk, das seine besondere Kraft vor allem dann entfaltet, wenn man sich die komplexe Gemengelage bewusst macht, aus der es hervorgegangen ist.
(SharpTone)
