FELSMANN + TILEY

FELSMANN + TILEY sind ein deutsch-internationales Produzenten-Duo, das seit 2017 zwischen neoklassischer Elektronik, Synthwave und cineastischer Atmosphäre arbeitet. Ihr neues Konzeptalbum Protomensch verbindet elektronische Klanglandschaften, vokalorientiertes Songwriting und eine futuristische Ästhetik zu einem Gesamtwerk, das sich bewusst von Club-Strukturen löst.

Das Zweitwerk liefert zudem eine existenzielle Bestandsaufnahme: „Unsere Musik ist stark konzeptgetrieben. Deshalb war es für uns ganz natürlich, dass sich Klang, Thema und Atmosphäre gegenseitig bedingen und ineinandergreifen müssen. Die Idee des Protomensch begleitet uns schon seit einigen Jahren – lange bevor es konkrete Songs gab. Mit der Zeit ist die Musik immer mehr zu einer Art Soundtrack für dieses Konzept geworden, aber auch für das, was wir gerade weltweit beobachten. Fortschritt, Überforderung, Hoffnung und Absurdität existieren gleichzeitig.“ Klanglich bewegt sich das Album zwischen elektronischer Intensität und filmischer Weite. Der Einfluss von Soundtracks und neoklassischen Kompositionen ist dabei offenkundig:

„Filmmusik und die damit verbundenen visuellen Welten sind für uns eine zentrale Inspirationsquelle. Wenn man beispielsweise Filme wie Dune oder Blade Runner zusammen mit HANS ZIMMER’s Musik erlebt, spürt man unmittelbar, wie Bild und Klang zu einer einzigen emotionalen Erfahrung verschmelzen. Genau diese Größe, diese emotionale Wucht und das erzählerische Potenzial faszinieren uns. Neoklassische Musik bildet dazu den Gegenpol. Sie steht für Reduktion, Klarheit und Schönheit, für Melodien, die ohne große Gesten tragen können. Für uns ergänzen sich diese beiden Einflüsse ideal: Filmmusik denkt in Welten, Atmosphären und epischen Bögen, Neoklassik in Essenzen und einfachen Wahrheiten. In der Verbindung dieser Pole entsteht der Raum, in dem unser Sound zuhause ist.“ Die erzählerische Tiefe des Ansatzes spiegelt sich in der Struktur der Stücke wider, die weniger Club-Mustern folgen und stattdessen dramaturgisch aufgebaut sind. Der kreative Prozess dafür startet oft im Kleinen:

„Meist beginnen wir mit dem simpelsten, eingängigsten Element, das uns emotional triggert – eine Melodie, ein Akkord, eine Textur. Von dort aus bauen wir Schicht für Schicht weitere Ebenen auf. Dieser Prozess erzeugt fast automatisch eine dramaturgische Spannung. Irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem jeder Frequenzbereich besetzt ist. Ab da wird Reduktion wieder essenziell. Auch wenn unsere Arrangements nicht klassisch clubtauglich sind, suchen wir immer nach diesem inneren Drop-Gefühl, das wir als DJs aus dem Club kennen. Es geht weniger um einen Beat-Drop als um einen emotionalen Kipppunkt.“ Trotz der oft düsteren Grundstimmung bleibt die Musik von FELSMANN + TILEY nie hoffnungslos. Die Balance entsteht aus der bewussten Auseinandersetzung mit menschlichen Widersprüchen:

„Uns zieht es ganz klar zu dunkler, melancholischer Musik. Gleichzeitig sind wir beide grundlegend optimistische Menschen. Protomensch beschreibt nicht das Ende der Welt, sondern das Paradox des Menschen selbst – dieses Wesen, das zwischen Genialität und absolut unverständlicher Dummheit schwankt. In dieser Ambivalenz liegt für uns auch Hoffnung. Solange wir uns unserer Widersprüche bewusst sind, ist Veränderung möglich.“

Felsmann + Tiley — Hello World