GLEN – It Was A Bright Cold Day In April

Das Quartett aus der deutschen Hauptstadt legt mit „It Was A Bright Cold Day In April…“ seinen vierten Longplayer vor. Der Titel verweist auf den Auftakt von George Orwells „1984“ und verleiht dem rein instrumentalen Spiel von GLEN einen zugleich vorwärtsgerichteten wie dystopischen Rahmen. Für den Ansatz zwischen Post-Rock, Krautrock-Schlagseite, jazziger Improvisation und experimenteller Freigeistigkeit ist dieser Kontext nahezu ideal. Das Album umfasst fünf Stücke, die jeweils mühelos für sich stehen, sich langsam entfalten, Stimmungen verschieben und wieder zerfallen. Ganz so, wie es dem Berliner Vierer entspricht. Trotz der durchweg offenen und zugänglichen Anlage liegt über der gesamten Spielzeit eine unterschwellige Unruhe. GLEN spielen mit einer Art instrumentaler Wachsamkeit, die dazu einlädt, auf die feinen Risse im Klangbild zu achten, jene Momente, in denen sich Strukturen auflösen, nur um im nächsten Augenblick in neuer Form wieder aufzutauchen. Das Quartett agiert kompromisslos, ohne dies plakativ auszuspielen. Das ist eine Qualität, die sich oft erst beim zweiten Hören erschließt. Das vierte Werk der Band ist eines, das nicht gefällig sein will, sondern fordert und zugleich viel zurückgibt. Interessanterweise wirkt das avantgardistisch aufgesetzte „It Was A Bright Cold Day In April…“ trotz seines experimentellen Anstrichs nie verkopft. Vielmehr zeigt es GLEN mutig, eigenständig und voller innerer Logik.

(Kapitän Platte)