PUSCIFER – Normal Isn’t

Das neue Album der Kalifornier entwickelt sich überraschend klassisch und zugänglich. Das sind Attribute, die im Kontext von PUSCIFER keineswegs selbstverständlich sind. Das Projekt um Frontmann Maynard James Keenan (Tool, A Perfect Circle) versteht sich schließlich seit jeher als avantgardistisches, progressives und bewusst unkonventionelles Outlet, das sich jeder Erwartungshaltung entzieht. Entsprechend bleibt vor jeder Veröffentlichung unklar, wohin die Reise gehen wird. PUSCIFER sind eine Band, bei der man stets mit Brüchen, Wendungen und Irritationen rechnen muss, denn „Normal Isn’t“. Gerade deshalb wirkt es fast provokant, dass die Gruppe dieses Mal Songs präsentiert, die sich vergleichsweise schnell erschließen und unmittelbar zum Gefallen taugen. Die stilistische Ausrichtung bewegt sich überwiegend im Spannungsfeld von Gothic, Wave-Punk und Alternative-Rock. Das ist eine Mischung, die sich nahtlos in den Klangraum einfügt, den die Kalifornier über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg kultiviert haben und den man mit ihnen verbindet. Die Musik bleibt düster, entrückt und von einer subtilen Fremdheit durchzogen, die sich erst auf den zweiten Blick vollständig offenbart. Auch der Nachfolger von „Existential Reckoning“ trägt diese Handschrift. Das Album entfaltet sich als vielschichtiges, atmosphärisch dichtes Werk, das seine Tiefe nicht aufdrängt, sondern nach und nach preisgibt. Die Band um Maynard James Keenan spielt mit Kontrasten, mit klaren Strukturen und schattenhaften Untertönen, mit Eingängigkeit und Irritation und führt damit ihr eigenes Motto konsequent weiter. Der Titel „Normal Isn’t“ erweist sich über die gesamte Spieldauer hinweg als programmatisch und steht als Beleg einer tief verinnerlichten Haltung und eines ästhetischen Prinzips, das die Gruppe voll durchzieht. So entsteht ein Album, das trotz seiner Zugänglichkeit nie banal wirkt, sondern PUSCIFERs Fähigkeit unterstreicht, sich neu zu erfinden, ohne sich selbst zu verlieren.

(Rise)