THE PRESTIGE – Isthmos

Abstrahiert lässt sich sagen, dass die Franzosen mit ihrem Drittwerk den Kreislauf des Lebens nachzeichnen mit all seinen Brüchen, Prüfungen, Unwägbarkeiten und inneren Widersprüchen. „Isthmos“ ist damit ein nahezu ideales Konzept für den ohnehin gefühlsbetonten, hinterfragenden und rastlosen Ansatz von THE PRESTIGE. Passend zu ihrem bisher existenziellsten Album erweitert das Pariser Quartett auch sein musikalisches Spektrum. Welche Mittel dabei zum Einsatz kommen, ist fast nebensächlich, denn bei dieser Band ist garantiert, dass Emotionen ungefiltert, abrupt und mit maximaler Intensität weitergegeben werden. Die acht Stücke sind im Kern im Post-Hardcore verankert, öffnen sich aber immer wieder in andere Richtungen: Shoegaze-Schimmer, Post-Metal und Sludge-Schwere, sogar vereinzelte Alt-Rock-Anklänge. Überwiegend geht es vertrackt, aufwühlend und druckvoll zu, doch „Isthmos“ lässt bewusst Raum für Momente der Einkehr, des Schwebens und des kontrollierten Loslassens. Dieses Spiel mit Kontrasten – zwischen Härte und Zerbrechlichkeit sowie Chaos und Klarheit – beherrschen THE PRESTIGE zweifellos. Selbst Sieben-Minuten-Tracks verlieren dabei nichts an Spannung, weil die Band ihre Dynamik bewusst steuert und dramaturgisch klug zuspitzt. Am Ende wirkt „Isthmos“ wie ein Werk, das nicht nur erzählt, sondern durchlebt wird. Und auch wenn es abgegriffen klingt: Hier findet echte Katharsis statt; roh, ehrlich und ohne jede Absicherung.

(Banshies)