CITIZEN – Halcyon Blues

Die Tatsache, dass CITIZEN inzwischen auf eine 17 Jahre andauernde Band-Karriere zurückblicken können, ist bemerkenswert und zwar nicht nur wegen der reinen Zahl. Kaum eine andere Band verweigert sich so konsequent dem Zeitgeist, bewegt sich so selbstverständlich neben den gängigen Strömungen und liegt dabei wahlweise vor oder hinter der Welle. Und dennoch – oder gerade deshalb – hat sich das Quintett aus Toledo, Ohio einen glänzenden Ruf und eine treue, stetig wachsende Anhängerschaft erspielt. Denn sobald der Funke einmal überspringt, gibt es kein Zurück: Diese Band feiert man, weil sie sich nicht anbiedert, sondern etwas Echtes liefert. Das gilt selbstverständlich auch für „Halcyon Blues“, aufgenommen von Sänger Mat Kerekes und gemischt von Tom Lord-Alge (U2, Weezer, Blink-182). Das Album bündelt im Grunde all das, was CITIZEN seit jeher auszeichnet und was man an ihrem Spiel liebt. Da ist die unverwechselbare Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch ihr Werk zieht. Gleichzeitig hört man eine ungekünstelte Emotionalität, wachen Post-Hardcore, kantige Alternative-Elemente und eingängigen Indie-Pop. „Halcyon Blues“ ist damit ein modernes Rock-Album im besten Sinne: vielseitig, offen, nie festgelegt und doch klar in seiner Haltung. Der subtile Hang zu Hymnen, zu breiten Ausbrüchen und zu Momenten, die sich größer anfühlen als sie eigentlich sein dürften, findet hier selbstverständlich Raum. Auch das gehört zum Selbstverständnis von CITIZEN; einer Band, die ihre Klasse nicht mit dem Holzhammer demonstriert, sondern jenen offenbart, die bereit sind, unter die Oberfläche zu blicken. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Werk, das sowohl die Vergangenheit der Band reflektiert als auch ihre Zukunft aufleuchten lässt.

(Run For Cover)