Das britische Quartett POLY-MATH, bestehend aus Musikern aus Brighton und London, öffnet mit seinem fünften Album „Something Deeply Hidden“ erneut ein Tor in jene instrumentalen Parallelwelten, in denen Komplexität kein Selbstzweck, sondern Ausdruck purer Neugier ist. Ganz ohne Gesang, dafür mit maximaler stilistischer Freiheit, entfaltet die Band sieben Stücke mit Titeln wie ,The Universe As An Engine‘, ,No Such Thing As Now‘, ,Spectral Dis/Order‘ oder ,Terror Management Theory‘ – allesamt Hinweise darauf, dass hier nicht nur musikalisch, sondern auch konzeptionell tief gebohrt wird. Der Albumtitel selbst ist inspiriert vom theoretischen Physiker Sean M. Carroll und dessen Werk zur Quantenmechanik, was den Anspruch des Albums treffend umreißt. Wie gewohnt haben POLY-MATH das Werk selbst produziert, jedoch gemeinsam mit Mark Roberts aufgenommen, der bereits mit Acts wie Delta Sleep, Toska, Black Peaks oder The Physics House Band gearbeitet hat. Diese Zusammenarbeit verleiht dem Album eine organische, zugleich präzise Klangarchitektur, die den vertrackten Arrangements Raum gibt, ohne sie zu glätten. Musikalisch bewegt sich „Something Deeply Hidden“ zwischen Jazz, Classic Prog, Math-Rock, Post-Rock und Noise. Daraus resultiert eine Mischung, die mal latent, mal offen verkopft wirkt, aber nie prätentiös. Im Vergleich zu früheren Werken klingt das Album etwas leichter und freigeistiger, was vor allem an der stärkeren Gewichtung von Jazz- und Prog-Elementen liegt. Dennoch bleibt es ein Longplayer, das man sich erarbeiten muss: Die Stücke laufen zwischen 03:31 und 08:05 Minuten, eröffnen weite Wege, viel Raum und zahlreiche Winkel, in denen sich die Band austobt und das Publikum herausfordert. POLY-MATH bleiben eine Formation, die sich nicht anbiedert, sondern konsequent ihren eigenen Pfad verfolgt. „Something Deeply Hidden“ ist experimentell, detailverliebt und voller verschlungener Ideen. Auf diese musikalische Reise muss man sich willentlich einlassen.
(Laser’s Edge)
