Mit ihrem 2024er Debüt „Where We’ve Been, Where We Go From Here“ ist dem Quartett aus Chicago ein Einstand gelungen, wie man ihn sich kaum besser ausmalen könnte. Die Platte öffnete FRIKO nicht nur Türen, sondern ganze Hallen. Tourneen mit Größen wie The Flaming Lips und Modest Mouse katapultierten die Band schlagartig in eine neue Wahrnehmungssphäre. Der Aktionsradius wuchs, der Name machte die Runde, und plötzlich stand ein junges Rock-Ensemble aus Illinois im Zentrum einer Aufmerksamkeit. Entsprechend hoch war der Erwartungsdruck für das zweite Album. Viele Bands geraten da ins Straucheln, doch FRIKO haben sich nicht verunsichern lassen. Im Gegenteil: „Something Worth Waiting For“ klingt wie das Werk einer Gruppe, die genau weiß, was sie kann, wohin sie will und warum sie überhaupt Musik macht. Schon der Titel deutet dieses Selbstverständnis an, eine Mischung aus Reife, Überzeugung und dem Mut, sich nicht von äußeren Erwartungen treiben zu lassen. Und tatsächlich liefert die Band eine Platte ab, die das Debüt nicht nur fortsetzt, sondern übertrifft. Die neun Songs bewegen sich stilistisch zwischen Noise, Indie-, Post- und Avantgarde-Rock, wobei FRIKO ihre anti-poppige Zuspitzung noch entschlossener ausformulieren. Gleichzeitig greifen sie die balladeske Tradition der 70er Jahre mit einer Selbstverständlichkeit auf, die weder nostalgisch noch anbiedernd wirkt. Stattdessen entsteht ein Spannungsfeld aus Intimität und eruptiver Energie, das die Band mit beeindruckender Souveränität auslotet. In den reduzierten Momenten – getragen von Klavier, Streichern und Gesang – zeigt sich eine emotionale Tiefe, die FRIKO bereits auf ihrem Debüt angedeutet hatten, nun aber mit größerer Klarheit und Sensibilität ausformulieren. Die voll instrumentierten Band-Passagen wiederum wirken druckvoll, lebendig und organisch, ohne je in bloße Lautstärke zu kippen. Was beide Pole verbindet, sind die eingängigsten Hooklines, die FRIKO bislang geschrieben haben. Alles an diesem Zweitwerk klingt melodisch prägnant, unverwechselbar und mit einem Wiedererkennungswert, der sich sofort festsetzt. Dass das Chicagoer Quartett derzeit allerorten über den grünen Klee gelobt wird, überrascht angesichts dieser Entwicklung nicht im Geringsten. Und ja: Dieses Album ist tatsächlich eines, auf das es sich zu warten gelohnt hat.
(ATO)
