Das baskische Duo ASCHEN aus Pamplona legt mit „The Never Ending Search“ ein Debüt vor, das rohe Black Metal-Intensität mit emotionaler Tiefe verbindet. Neun Stücke voller wechselnder Stimmungen, atmosphärischer Schwere und bewusst rauer Direktheit formen ein Werk, das
zwischen Raserei, Melancholie und innerer Zerrissenheit pendelt und textlich den Konflikt zwischen Individuum und zerfallender Gesellschaft auslotet.
„Bis zur Entstehung von ASCHEN beschränkte sich meine Erfahrung als Musiker darauf, mit Freunden Schlagzeug zu spielen“, erzählt Kreativkopf Mikel Telletxea (Gitarre, Gesang, Schlagzeug-Programming). „Das geschah meist aus Spaß und ohne wirkliche langfristige Vision. Wir trafen uns unregelmäßig und spielten eher improvisiert.“ Erst als sich die Treffen intensivierten und erste Songs entstanden, übernahm er mehr Verantwortung: „In dieser Phase entschied ich mich, zur Gitarre zu greifen und selbst ein paar Kompositionen beizusteuern.“ Nach dem Ende des Projekts blieb der Drang, weiter Musik zu machen: „Ich war davon überzeugt, dass, wenn ich mit etwas Übung einfache Rock-Songs schreiben konnte, ich mit genügend Hingabe auch Black Metal
komponieren kann, der seit jeher mein Lieblingsstil ist.“ Schritt für Schritt nahm er Gitarren, Drums und weitere Ebenen auf, bis sich ein klarer Kern herauskristallisierte:
„Irgendwann hielt ich etwas Solides in den Händen und den Keim dessen, was später ASCHEN werden sollte.“ Im Kontext dieses Projekts arbeitet der Baske mit einer Mischung aus Intuition und bewusster Entscheidung: „Das ist das natürliche Ergebnis vielfältiger Einflüsse“, erwidert der Musiker. „Obwohl Black Metal definitiv mein Hauptgenre ist, liebe ich auch andere Metal-Stile; besonders Thrash und Death Metal, aber auch härtere, industrielle und andere Spielarten.“ Gleichzeitig ist Variation ein bewusst gesetztes Prinzip: „Das liegt auch daran, weil ich älter werde“, überlegt Mikel. „Heute brauche ich bei einem
Album eine Vielfalt, damit es mich wirklich fesselt: unterschiedliche Drum-Patterns, Wechsel zwischen Riff-getriebenen und melodie-getragenen Passagen, emotionale Tiefe und so weiter.“
Besonders die Drums wurden zu einem Feld der Selbstherausforderung: „Ich habe mich gezielt dazu gedrängt, Alternativen zu Blastbeats zu finden, obwohl sie das sind, was mir am Automatischsten von der Hand gehen.“ So entstand „The Never Ending Search“, das mit seinem Titel die Richtung vorgibt: „Das Album als Ganzes ist eine Reise durch sehr unterschiedliche Passagen, ohne jemals in Monotonie zu verfallen“, beschriebt es der Musiker. Als Bassist Atauzz (Korkut, Kurkuma, 2Sonte) zum Projekt stieß, waren die Songs bereits weit entwickelt und sein Beitrag zum kreativen Prozess begrenzt: „Er ist ein herausragender Musiker, der den Stücken mit seinem Bass-Spiel eine neue Dimension, mehr Nuancen und letztlich einen deutlichen Qualitätssprung verleiht.“ Die Rollenverteilung innerhalb der Zweierbesetzung ergab sich organisch: „Er ist in mehreren Projekten als Hauptsongwriter involviert, während ASCHEN mein einziges ernsthaftes musikalisches Vehikel ist“, erzählt Mikel. „Deshalb hat er mir ganz natürlich die Führung bei den
wichtigsten Entscheidungen und der Gesamtvision überlassen.“ Was die innere Philosophie betrifft, kristallisieren sich zwei Leitlinien heraus:
„Bei diesem Album lag mein Fokus auf dem emotionalen Gewicht der Songs, aber das wichtigste Kriterium war es, Monotonie zu vermeiden“, so das Baske. „Während des Prozesses habe ich unzählige Ideen verworfen. Dass es keine Deadline gab, hat mir geholfen, ruhig zu arbeiten und jedem Song genügend Zeit zu widmen.“ Besonders deutlich wird dies im Umgang mit den Texten, die sich mit inneren Brüchen und ihren Echos in der Welt beschäftigen: „Das Schreiben der Texte war der schwierigste Teil des gesamten kreativen Prozesses. Da ich es nicht gewohnt bin, zu schreiben, hatte ich das Gefühl, dass es, wenn ich es schon tue, um etwas Gegenwärtiges und Bedeutungsvolles gehen muss.“ Realitätsflucht oder Verdrängung kamen für Mikel dabei nicht infrage: „Ich hatte keinerlei Interesse an eskapistischen Themen, oberflächlichen Inhalten oder einem zu starken Blick in die Vergangenheit. Stattdessen konzentrierte ich mich auf Dinge, die allen Menschen gemeinsam sind: Leiden, das Verlangen
nach Freiheit, die Suche nach Gerechtigkeit und so weiter. Ich habe über die Themen geschrieben, die mir am wichtigsten sind.“
Die Entscheidung, sowohl auf Englisch als auch auf Baskisch zu singen, fiel intuitiv: „Die Idee, in verschiedenen Sprachen zu singen, entstand bereits sehr früh im Projekt. Die Wahl von Englisch hängt vor allem damit zusammen, dass ich mit Musik in dieser Sprache aufgewachsen bin. Die Verwendung einer meiner Muttersprachen verleiht uns zusätzlich eine markantere Identität und machte den Schreibprozess einfacher.“ Das zentrale Motiv des Albums – die endlose Suche, die der Titel „The Never Ending Search“ vorgibt – beschreibt der Kreativkopf als zutiefst menschlich: „Kein Mensch bleibt von Leiden unberührt. Die Art und Weise, wie jeder Einzelne und sein Umfeld mit ihnen umgeht, macht den Unterschied aus. Es ist offensichtlich, dass die Unfähigkeit einiger weniger Menschen mit zu viel Macht, eine innere Wunde zu heilen, uns alle in den Abgrund reißt.“
